Martin's Postcard Collection

June 16, 1892
August Kramer (Curacao) to Abraham Kramer (Sauer Schwabenheim)


Briefkaart mit de kolonie Curacao

Von: August Kramer

An: Herrn Abraham Kramer

Sauer-Schwabenheim

bei Bingen Rhein Deutschland

16. 6. 1892


Curacao, 16. 6. 1892

Meine Lieben! Soeben hier angekommen, dachte ich mir, Ihr werdet eine Nachricht von mir nicht zurückweisen.

Über kurz oder lang werde ich mich selbst einmal aufraffen, Euch einen wirklichen Brief zu schreiben, aber ich bitte Euch, ein wenig Geduld zu haben. Das Schreiben ist nachgerade eine schwache Seite von mir geworden. Fr. Stolze mit seiner „großen Unbekannten“ ist mir schon eingefallen, denn das berühmte „Deeze und andere Zarten von Zigarren etc.“ hört man auch hier, aber der T....l? soll ihn verstehen. Herzlichste Grüße Euer August.




Anmerkung:

(Ist Friedrich Stoltze mit seiner „großen Unbekannten“ gemeint? Oder die Zigarren mit Blick auf Cuba.)

Friedrich Stoltze Frankfurter Mundardichter in der Revolutionszeit um 1848 ff. , u. a. auch Vorleser bei Rothschilds. Sein bekanntestes Gedicht Frankfurt erschien 1880, um die Besucher des fünften Deutschen Turnfestes in Frankfurt zu begrüßen. Es ist ein Loblied auf die Vaterstadt, das gerade wegen seines unverkennbar ironischen Untertons bis heute das beliebteste Frankfurt-Gedicht geblieben ist. Vor allem seine Anfangszeilen werden häufig zitiert:

„Es is kaa Stadt uff der weite Welt,

die so merr wie mei Frankfort gefällt,

un es will merr net in mein Kopp enei:

wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“


(Es will mir nicht in den Kopf hinein

wie kann nur ein Mensch nicht von Frankfurt sein)