December 9, 1941
From Sophie Marx







Von Sophie Marx an

Martin Marx
4736  S Woodlawn Chicago Ill

Stempel 15. 12. 1941


Brief vom 9. 12. 1941
Sophie Marx New York , City, 2 Pinehurst Ave, Ej

Mein lieber Martin,
das war eine Freude, als ich endlich nach langer Zeit einen Brief von Dir erhielt und mit so schönen Einlagen. Ich bin ganz entzückt von Deinem und Deiner lieben Frau Conterfei und war sehr beglückt mit dem Brief von  Rudolf und Tante Hans. Zwei Jahre hatte ich nichts von ihnen gehört. Es war ein guter Tag, als ich Deine Post erhielt. Ich war gerade auf der Fahrt zum Schiff, um Margotlein und Willy (Margots Mann) abzuholen, da las ich Deine lieben Zeilen. Herzlichen Dank für alles. Dir und Deiner entzückenden Mitzi, (welche ich gerne als Nichte akzeptiere.) Die besten Wünsche und möge Euch Glück bewahrt bleiben. Sehr traurig macht es mich , dass Dein Vater und Hedchen nicht bei Euch sein können und jetzt, da auch Japan in den Krieg eintrat, habe ich noch weniger Hoffnung für eine Einreise hier her. Es ist furchtbar. Für Onkel Jakob habe ich alle Papiere und Schiffsplatz schon längst  bezahlt und bekam jetzt Bescheid von Washington, (ich hatte meine amerikanische Nichte dorthin geschickt.) dass mein Mann in drei Wochen das Visa bekäme und jetzt kommen immer neue Schwierigkeiten und die Sorgen werden immer größer.
Ein  großes Wunder ist es, dass ich Margot und Willy hier habe. Ich wünschte nur, ich würde Dich , mein Lieber , einmal wiedersehen und Dein Frauchen kennen lernen. Ich spüre aus Deinen lieben Zeilen, wie glücklich Du bist und ersehe aus dem Bildchen Eure Zusammengehörigkeit. Mögest Du nu ungetrübt dieses Glück bewahren, das Du wirklich verdienst.
Hier in U.S.A. habe ich mich gut eingelebt, ein
großer Verwandten- und Freundeskreis umgibt mich. Ich habe auch eine gute Beschäftigung. 6 Mieter in einer großen Wohnung. Ich fabriziere Gesichtscreme und Face Lotion und Zahn...? und habe einen Privat-Kundenkreis., auch vermittle ich ab und zu Bilder, meistens große Sachen -
alte Gemälde. Dieses macht mir am meisten Freude sehe viel Schönes  und komme mit Künstlern zusammen. Momentan liegt dieses Geschäft sehr auf dem Hund.
Margotlein und Willy gondeln schon allein in New York herum. Willy wird gewiss bald eine Stellung als Mechaniker finden. Vorerst genießen wir noch die freien Tage zusammen. Wir hatten uns 2 ½ Jahre lang nicht gesehen und kannst Du Dir denken, wie glücklich  wir jetzt zusammen sind. Sie wohnen bei mir in einem netten Zimmer.
Leb´ wohl mein guter Martin. Grüße Deine Mitzi herzlich und erzähle ihr , wenn Du Dich erinnerst, von unseren gemeinsamen  früheren Tagen.
Kürzlich waren Erna und Herbert Krämer hier; sie f reuen sich sehr mit Deinem Glück.
Leider wohnen sie nicht mehr hier in New York,  sie mussten wegen Verlegung ihres Geschäftes mit nach Philadelphia, kommen aber alle 2 Wochen hier her.
Kommst Du mit Onkel Salomon und Familien zusammen? Bitte grüße ihn herzlich.

Noch alles  Lieb und Herzliche, Dich liebende Tante Sophie.
P.S.
Lieber Martin, da bin ich ja gerade noch rechtzeitig angekommen, um Dir allerherzlichst sowie Deiner süßen Mitzi, die mit wirklich ausgezeichnet auf dem Foto gefällt, zu gratulieren. Ich freue ich sehr für Dich, dass Du so ein liebe Freundin gefunden hast und wünsche Euch, dass Ihr auch so glücklich immer seid  wie mein Willy und ich es sind.
Mein Mann und ich sind natürlich sehr froh endlich bei der  lieben Mutter zu sein, nur bedrückt mich sehr, dass  Dein lieber Vater nicht mehr mitkommen konnte, denn durch die letzten Ereignisse ist es leider fast ganz aussichtslos geworden, auch für Deinen lieben Vater und Hede  tut mir dies außerordentlich leid.
Lass bald wieder etwas von Dir hören. Alles Gute für Dich lieber Martin und Deine liebe Frau und seid allerherzlichst gegrüßt und geküsst, ebenfalls von meinem [Mann?]


Deine Margot.


From Sophie Marx to 
Martin Marx 
4736  S Woodlawn Chicago Ill
Stamp 15. 12. 1941

Letter of 9. 12. 1941
Sophie Marx     New York , City, 2 Pinehurst Ave, Ej
Dear Martin,
It made me very happy getting a letter from you after such a long time and with such great details.  I was delighted to see pictures of you and your lovely wife and was really happy about the letters from Rudolf and Aunt Hans. I have not heard of them for two years.  This was a great day getting your mail.  I was just on my way to the ship to pick up Margot and Willy as I was reading your lovely letter.  Thank you and your charming Mitzi for everything (who I happily accept as my niece).  All the best to both of you and may you remain lucky and happy.  It makes me very sad that your father and Hede could not come here, and now that Japan had also entered the war, there is even less hope.  This is terrible.  I had all the papers and the ticket for the ship for Uncle Jacob for ever, and now I was told by Washington (I sent my American niece to ask) that my husband would get his visa in three weeks, and now new problems come and the worry just never goes away.

It is a miracle that I have at least Margot and Willy here.  I only wish, my dear that I could see you once again and meet your wife.  From your letter I can feel how happy you are, and I see from your picture that you simply belong together.  May you be happy forever like this, which you richly deserve.

I’ve got used to living here, in the U.S.A.  I have lots of relatives and friends around me.  I also have a good job: 6 tenants in a large apartment.  I also produce cosmetics, face lotions and toothpaste, for which I have a number of private clients; also, I negotiate art, big old things usually.  This I like very much; I see many beautiful things and get to know the painters – although right now this business isn’t doing that great.  
Margot and Willy get around on their own in New York.  For sure, Willy will find a job as a mechanic pretty soon.  Right now, we just enjoy spending time together. We have not seen one another for 2 and a half years; you can imagine how happy we are now together; they live with me in one of my rooms.

Have a great life, my dear Martin.  Say hello to your Mitzi from me and tell her about our times together if you can still remember.  We have just had Erna and Herbert Krämer here to visit – they too were very happy for you.
Too bad they no longer live here in New York; they had to move to Philadelphia on account of their business there, but they visit us every other week.
Do you ever see Uncle Salomon and his family?  Say hello to them from me.
All the best from your loving Aunt Sophie.

P.S.
Dear Martin,
Just in the last minute, I wanted to congratulate you and your sweet Mitzi (who I like very much on the photo).  I am very happy that you have found such a sweet girlfriend and I wish you that you remain as happy forever as Willy and I are.  My husband and I are of course very happy that we now live with his mother; it makes me quite sad that your father could not get out, and since the last news it seems sadly quite impossible that your father and Hede could ever come.  I am so sorry about this.
Stay in touch.  All the best to you and your sweet wife, warm greetings and kisses from me and my husband.
Your Margot.


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