Einschreiben  28. 7. 1941
Meine Lieben,

Euer Brief vom 4. 7. Traf am 21. 7. Ein und habe ich mt der Beantwortung bis heute gewartet, diese Woche Näheres über die Auswanderung zu erfahren, aber leidere vergebens. Ich füge auch die Photocopien der 2 AL  Bescheinigungen sowie der Bestell Nr. nach St. ? bei, die Ihr vielleicht , wen nötig, nach Washington braucht. Ich wartet jedoch mit dem Schicken nach dorten, bis Euch telegraphiere, da ich doch immer noch hoffe, dass hier ein Weg gefunden wird, das Visum zu erhalten.  Ich schicke sie nur mal wie so vieles andere zur Vorsorge. Bis dieser Bf = Brief ankommt werdet Ihr wohl von eurer Hochzeitsreise zurück sein.

Ihr habt recht, dass Ihr Euch mal ein paar  schöne Tage macht und eure Ferien gut ausnutzt, wo Ihr doch das ganze Jahr so schwer arbeiten müsst. Es waren dies für mich auch immer schöne Zeiten, die Tage der Ausspannung und will ich hoffen, dass Ihr Euch gut amüsiert habt. Hoffentllich hast Du l. Martin, deinen Jahrzeittag für deine l. Mutter nicht vergessen. Wie mir Hans (das muss „Tante Johanna“ sein)schrieb hat sie an die ganze Verwandtschaft wegen Passage geschrieben für sich und Rudo.
Hoffentlich bekommt sie´s zusammen, auch ohne Euch.

Wenn du an sie schreibst, so teile ihr mit, dass Alfred am 24. 1. 1941 gestorben ist. Hast du jetzt Julius Kahn gesprochen? Von Louisville habe noch keine Nachricht. Hoffentlich ist alles gut verlaufen und Tuns? und Kind sind gesund.
Von hier kann Euch wenig Neues berichten, um  so mehr freue mich auf euern Hochzeitsreisebericht. Grüsst alle Lieben von mir und seid Ihr Beide noch recht herzlich geküsst von Eurem Vater.

Meine Lieben, (das ist jetzt Frau Kossmann, deren eine Schwester seit 1 Jahr in Casablanca festsitzt) wir freuen uns, dass Ihr eine so schöne Reise vorhabt und wünschen Euch recht viel Vergnügen,  bes. recht gutes Wetter. Wir gehen nicht in den Taunus, da man hier viel zu laufen hat und kann dann das Versäumte nicht nachholen  obwohl uns allen die Tannenluft von grossem Nutzen wäre, auch wollen (wir) nicht abnehmen und  Vater darf sich nicht ermüden. G(ott) s(ei) D(ank)  sieht gut aus, bin damit sehr froh.
Habt Ihr Jul. Kahn(e) gesprochen, diese sind aus allem heraus, hat sich so manches verändert. Kommt Ruth in den Ferien den Opa besuchen die sind sehr schwer krank. Meine Schwester Gina, wollte abreisen, aber das Schiff wurde eingestellt, sie soll ganz ausser sich sein , von welchem Hafen weiss nicht, da in Casablanka schon über 1 Jahr ist.
Schreibe bitte an Tante H. sie freut sich doch sehr , wenn von Dir  Nachricht hat.  Erholt Euch recht gut und kommt gestärkt wieder zurück. Von uns ist gar nichts zu berichten, nur schön, dass abends mit  den Bierherren? Beim Skat wurde Bier getrunken im Hause zusammennkommen. Leop. = Leopold Kahns Bruder ist unser Stratege..........from here on the scan is uncomplete

Am Rand Herzlichen Gruß Johanna Kossmann.
Left margin 4 Einlagen  soeben hörte von der Nord  Line, dass alles über Washington lief. Not litterally aber sinngemäß  Hörte, dass wenn die Kinder von Einwanderern amerikanische Staatsbürgerschaft hätten, dann ginge alles schneller.
Hede hat eben nie Lust zum Schreiben. >

Julius und Frieda Kahn gelang 1941 die Flucht nach USA, dem Cousin von Julius Leopold und seiner Frau gelang dies nicht. Der genannte Rudo müsste ein Verwandter (Sohn) von Johanna Koppel sein.


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