Meine Lieben, 4. VII. 1941

Hoffentlich habt Ihr die Feiertage gut verbracht; ich nehme an, dass Ihr in eurem Dinem ?? wart. Wir hatten herrliches Pfingstwetter, kamen aber wenig zum Ausgehen, da an beiden  Tagen  viel Besuch hatten. Gestern am 3. VII. sind Julius K(ahn) endlich in Lissabon abgefahren. Sie schreiben von dorten einen wunderschönen Reisebericht und konnten nicht genug loben, wie gut sie unterwegs überall bewirtet und verpflegt wurden und ganz besonders  gut sei die Verpflegung in Lissabon gewesen. Na hoffentlich werden wir es auch bald erleben. Estern abend war Familie Guckenheimer  bei uns und sind sie sehr beunruhigt, weil sie seit 24. IV. von Liseloth nichts gehört haben. Sie wissen auch nicht ,ob sie ihre Briefe erhalten hat, weshalb sie einen Zettel für sie beilegen wollen. Erkundigt Euch  mal nach ihr, gebt ihr einen Zettel und gebt mir Nachricht. Ich weiß nicht mehr, ob Euch schon schrieb, dass Ihr Onkel Salomon sagen sollt, dass wir am 1. Juli Jahrzeit haben, vergesst es nicht, ihm zu sagen. Du l. Martin hast am 2. August.
Habt Ihr von Louisville was  gehört? (Louisville bezieht sich auf die ausgewanderten Levys aus Nierstein-Mainz Ich warte schon lange auf Brief von Ihnen. Hoffentlich wird bei Anne alles gut verlaufen. Habt Ihr was gehört, ob Ernst zum Militär kam? Wie gefällt es denn eurem l. Vater in seiner neuen Position? Ich wünschte nur ich hätte auch schon was wo mein Lebensunterhalt verdienen könnte; aber bis jetzt hat mich der l. Gott nicht verlassen und so hoffe ich, dass er mich auch  weiter behütet.
Was treibt eigentlich Onkel Salomon den ganzen Tag? Er kann doch nicht immer Scat (Skat) spielen . ---
Soeben kommt Euer Brief vom 15. III., womit ich mich ganz besonders mit den lieben Zeilen liebe Mitzi freute, dass Ihr von Tante Hans gehört und sie  mit Gertrude Werner zusammen ist, machte mir riesige Freude, aber leider kann ich von hier nichts für sie tun, so  gerne ich es täte. Die avisierten Päckchen sind bis jetzt nicht angekommen und rechne auch nicht mehr damit. Das Sicherste ist, wenn man drüben durch die Fortra einzahlt und kommen die dann über Lissabon. Das Bildchen finde sehr gut und hast du dich hiernach wenig verändert. Bis wir kommen wirst du wohl Bürger sein. Sonst  weiß für heute  nichts Neues, bleibt gesund und seid herzlich geküsst von Eurem Vater. Grüsse an Eure Eltern, Salomon, Nachmann und alle Verwandten.


Hede und Frau Kossmann lassen grüßen.

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