Meine Lieben,

Euer Brief vom 27. 5. traf gestern ein und entnahm demselben, dass Ihr gesund seid, was G. s. D. auch bei uns der Fall ist. Es ist doch sonderbar, dass Rudo jetzt an dich schreiben kann, jedenfalls hat er geglaubt, dass Ihr ihnen die Passage stellen könntet.
Rudo, Erna und Gertrud sowie Albert haben noch nie ein Zeile an mich geschrieben. Aber deshalb würde ich Tante Hans doch von Herzen wünschen, dass wenigsten sie zu Albert kommen könnte, auch ich würde ihr gerne helfen, wenn eine Möglichkeit bestünde.
Ich kann mir doch nicht helfen, viel weniger ihr; trotzdem will es beim Hilfsverein versuchen, habe aber wenig oder gar keine Hoffnung. Ich habe diese Woche an einen Bekannten , der in Lissabon ist, telegraphieren lassen; ob er mir frühere Schiffplätze besorgen kann, da er wie ich hörte schon einiges damit geholfen hat. Hoffnung habe zwar wenig; wenn nichts, werden die Monate auch herum gehen.  Von St(uttgart) habe noch nichts gehört, wir werden auch vor August nicht bestellt werden. Z. Z. geben sie keine Bestellungen mehr , da die Juniquote erschöpft ist. Bis wir kommen, ist der Labor Day vorüber und brauche ich mir dann auch keinen Strohhut mehr zu kaufen. Habt Ihr von Herbert gehört, was mit ihm wird? Als Landwirt kann er doch leicht unterkommen; und was ist mit Erna? Wohnt sie in der Schweiz? Und wer und was ist ihr Mann? Fragt doch mal bei Rudo, es würde mich schon interessieren. Vielleicht kannst du mir auch mal ihre Adresse schreiben. Tante Hilda schrieb mir, dass sich Berthel und Walther verpflichtet haben für 1 Jahr in ein Indianer Krankenhaus nach Takoma im nordwestlichen Teil der U.S.A. im Lande Washington am großen oder stillen Ozean, nahe der kanadischen Grenze angestellt. Wenn es ihnen nicht gefällt, oder sie nicht Gefallen, haben sie zweimonatliche Kündigung. Hin- und Rückfahrt bekommen sie bezahlt. Hoffentlich finden sie dorten eine Lebensstellung; Ich würde mich für sie und ihre Eltern freuen. Grüsst mir alle Lieben und seid Ihr Beide recht herzlich geküsst von Eurem Vater.

Left margin:
Da Vater wenig Platz gelassen hat, nur recht kurze Grüße. Die Zeit kommt langsam näher, dass ich alleine und verlassen dableibe; täglich reisen Bekannte ab.......

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