Meine Lieben,

Wie ich aus Eurem letzten Schreiben entnahm, ist es Euch mit den grössten Schwierigkeiten gelungen, das Geld für unsere Passage aufzubringen, was mir schrecklich leid tut und will ich Euch gern glauben, dass Ihr jetzt nicht mehr im Stande seid, die 84 Dollar für unsere Landfahrt zu bezahlen; zumal du l. Martin, jetzt schon so lange ohne Arbeit bist. Hoffentlich bist du bald wieder ganz hergestellt und wirst du dann mit Gotteshilfe auch wieder Beschäftigung finden.
Aber an wen sollte ich mich somit wenden, da ich doch keinen Menschen drüben habe, der mir helfen würde.? Ich will nun hier beim Hilfsverein versuchen, ob mir dieser nicht helfen kann. Um jedoch dorten eher etwas erreichen zu können, wäre es gut wenn Ihr mir einen Brief schreiben würdet, aus dem ersichtlich ist, dass Ihr Euch mit dem Aufbringen des Geldes für die Passage schon sehr wehe gethan habt und jetzt unmöglich noch die 84 Dollar für die Landfahrt bezahlen könnt; der Hilfsverein hat ja schon so vielen Leuten geholfen und so hoffe ich, dass er auch uns helfen wird. Gestern waren Albert Hirsch und Frau bei uns und haben sich verabschiedet, da sie Ende des Monats hier abreisen und am 27. geht ihr Schiff nach Lisabon ab. Albert Hirsch ist der Bruder von Frau Lina Hirsch aus GG. Onkel Sal(omon) kennt ihn ja. Friedel Schott schrieb diese Woche so vergnügt an seine Eltern. Er wurde zum I. Vorsitzenden im Club gewählt und mit 1 goldenen Medaille ausgezeichnet. Der Zweite Vorsitzende erhielt 5 Doll; die wären ihm allerdings lieber gewesen. Habt Ihr etwas von Liselotte Koch gehört? Es ist doch sehr auffallend, dass das Mädchen schon so lange nicht an seine Grosseltern geschrieben hat, die Beide sehr aufgeregt sind. Bis Ihr diese Zeilen bekommt, werdet ihr auch Kahn gesprochen haben. Meine Wissenschaft für heute ist zu Ende
Bleibt Beide hübsch gesund und seid herzlich geküsst von
Eurem Vater.

Grüsse Eure Eltern und alle Verwandten. Onkel Salomon soll am 6. Juli unser(e) Jahrzeit nicht vergessen.



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