3. 4. 1941
Meine Lieben
Gestern traf Euer Brief vom 26. II., also acht Tage später wie der vom 1. III. ein. Heute kann ich Euch mitteilen, dass gestern die Mitteilung von Lisabon an die hiesige Schiffahrtslinie (Nord d.(deutsche) Lloyd) kam, dass wir 2 Plätze auf Dampfer Excambion per 19. Oktober bekommen und hoffe ich wenn nichts dazwischen kommt, dass wir an diesem Tag in Lisabon abfahren können. Ich rechne, dass wir für halben Juni nach Stuttgart bestellt werden, da doch das Visum nur 4 Monate gilt. Noch besser wäre, wenn erst für Juli bestellt würden, da doch das Schiff auch mal durch unvorhergesehene Fälle etwas später abfahren könnte. Wenn alles klappt, würden am Tage nach Rosch ha-Schana hier abfahren nach Bernburg wo wir uns einen Tag aufhalten wollen und von da nach Berlin, wo alle die nach Lisabon wollen in einem Wagen zusammen über Frankfurt die Landfahrt antreten. Auch Julius Kahn hat jetzt endlich seine Schiffskarte per 2. Juni bekommen, wo er schon über 2 Jahr dran gearbeitet hat, wenn ich denke, hatten wir sie doch verhältnismäßig rasch. Familie Kaufmann hofft die Plätze auch in den ersten Tagen zu bekommen. Wie gestern bei der Schiffahrt hörte, gibt es jetzt erst Plätze per Februar und bis dahin seien schon alle bestellt. Du lieber Martin stellst dir das so einfach vor, weil du schreibst, sobald das Visum haben, sollten einige Wochen nach Lisabon gehen. Woher die Dollar nehmen zum Leben und dann muss man auch erst einen Platz für die Bahnfahrt Berlin – Lisabon haben, was auch nicht so einfach ist. Ihr müsst Euch denken, dass Hunderte dasselbe Reiseziel haben und dadurch mit grossen Schwierigkeiten verknüpft ist.

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