Meine Lieben,                     28. III. 1941

Eure beiden Briefe vom 19 II. und 1. III. kamen gestern an und danke ich euch recht herzl(ich) für dir schönen Bildchen. Nach all diesen Bildchen kann ich mir schon so ziemlich eine Vorstellung eurer kleinen niedlichen Wohnung machen, die meistens gemütlicher sind wie die grossen. Ich denke auch an den Spruch „Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar“,* für das ich Euch halte. Liebe Mitzi, ich wollte du hättest Recht, dass wir bis zum Sommer bei Euch wären, aber ich kanns noch nicht ganz glauben; da es z. Z. mit den Schiffsplätzen in Lisabon sehr langsam geht. Julius Kahn hat seine Plätze schon 3 Wochen früher bestellt wie ich und schon einigemal nach dorten gekabelt und immer noch nichts erreicht und so lange ich keine Schiffsplätze habe, werde auch nichts nach St(uttgart bestellt. Ich hoffe, bis unsere Bestellung kommt, wird auch eure Nachricht betr. des Accreditivs dorten sein, da ja doch sehr viel davon abhängt; andernfalls sich unsere Visenerteilung noch länger hinauszieht und wie Euch schon geschrieben, je höher dasselbe ist, um so leichter geht es.

Das Geld geht Euch ja nicht verloren. Du schriebst, wir sollten gleich nach Visumserteilung nach Portugal gehen, was aber nicht so einfach ist. Ich muss immer warten, bis unser Schiff geht, mit dem wir fahren können. Wenn in Portugal sitze, brauche ich Dollars zum Leben und hier kann ich mit Marken bezahlen. (gemeint sind Lebensmittelmarken?). Tante Hans habe seit euch von ihr geschrieben nichts mehr gehört; nur hörte von anderer Seite, dass sie von dorten weg gekommen seien, wo sie es wesentlich besser getroffen hätten. Von ihren Kindern habe weiter nichts gehört. Du schreibst auch nochmal wegen der Neuausstellung der Bürgschaft, die ist aber jetzt nicht mehr nötig, nachdem Stuttgart deine letzte als genügend anerkannt hat. L. Mitzi du schreibst von eurem schönen Vortrag; gewiss würde mich auch freuen, mal wieder so was zu hören, ob ich´s aber verstehen würde, der ich an—(hier bricht die Seite ab.)


Randbemerkung am Briefkopf von Johanna Kossmann.


*Emil zitiert Friedrich Schiller:


Raum ist in der kleinsten Hütte
für ein glücklich liebend Paar.


Quelle: Der Parasit IV, 4. (Charlotte)




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