17. 3. 1941
Meine lieben Kinder

Herzlichen Dank für das schöne Bildchen und von dir l. Mitzi mit deiner ersten Ente und hoffe ich, dass sie euch auch gut geschmeckt hat. Für Gans und Ente war ja Martin schon immer sehr zu haben. Im Februar waren es drei Jahre, dass ich in Benberg von Onkel Alex 70 jähriger Geburtstagsfeier war; damals hatte Euer Prachtexemplar einer Ente von 8[#?] mit nach Hause gebracht; seitdem habe auch keine mehr gegessen. Deine freudenstrahlenden Augen sagen ja schon alles mit welchen freudigen Gefühlen ihr dieselben verspeist habt. Aber wenn es Gottes Wille ist, wird uns auch bald das Glück beschert sein, uns von dem eurigen zu überzeugen.
Da es von hier aus sehr lange dauert, bis man in Lisabon Schiffsplatz bekommt, liess Euch am Freitag nochmals durch Norddeutsche Lloyd kabeln, dass Ihr von drüben Plätze für uns belegen sollt; da es von drüben rascher geht; hoffentlich gelingt es Euch. Der Hilfsverein ist hierin machtlos. Bevor man keine Schiffsplätze hat, wird man nicht nach Stuttgart bestellt. Man muss angeben können, mit welchem Schiff man fährt, Abfahrtstag desselben in Lisabon und Kabinennummer. Ich war am Donnerstag in Darmstadt und hörte dorten von einer Frau Gernsheimer aus Eberstadt, dass sie auch die Plätze von drüben belegen lies und dadurch dies alles auch sehr rasch bekam und kann schon im Mai fahren. Nun bin ich gespannt, ob Ihr drüben mehr erreicht wie wir hier. Ich lies ja trotzdem auch durch Norddeutsch(en) Lloyd von hier in Lisabon belegen und so hoffe doch, dass eines davon klappt. Diese Woche erhielt auch Brief von Louisville und schrieben, dass Aenne im Juni ein Baby erwartet; im übrigen schrieben sie sehr unglücklich und hat sich Onkel Max mit seinem Schwiegersohn entzweit und ist nicht mehr bei ihm im Geschäft. Wenn sie Euch hiervon nichts geschrieben haben, so braucht Ihr nicht davon zu sprechen, auch nicht bei Nachmann, da ich nicht haben möchte, dass es durch mich weiter colportiert wird.
Sie schrieben, wenn sie dies vor einem Jahr gewusst hätten, wären sie nie nach Louisville gegangen. Vielleicht bringt der kleine Thronfolger die Einigkeit wieder ; ich will es hoffen und wünschen. Julius Kahns haben auch noch keine Schiffsplätze; vielleicht können wir noch zusammen fahren. Dass Ihr noch 84 Dollar an Joint in N. Y. für die Bahnfahrt von der deutschen Grenze bis Lisabon schicken müsst, habe Euch, sowie ich glaube, schon im letzten Brief geschrieben. Morgen will einen Trauerbesuch bei Simon Schott in Mörfelden machen, dessen Frau am Freitag beerdigt wurde. Du kannst dies auch Onkel Salomon sagen. Bei mir geht es G. L wieder besser und hoffe von EuhAllen, dass Ihr gesund sei. Grüsst mir eure l. Eltern sowie alle Verwandten und seit Ihr Beide recht herzlich geküsst von Eurem Vater. Hede ist für einige Tage nach Worms und kommt morgen zurück. Für die avisierten Pa(c)ketchen danke Euch schon im Voraus, braucht aber vorerst keine mehr zu schicken. Meine Lieben! Wir freuten uns sehr mit eurem l. Brief hat die gebr(atene). Ente uns das Wasser im Munde gestanden, denn so was leckeres kennen wir nicht mehr. Sie, l. Mitzi möchten gerne Martins Lieblingsrezepte habe: Wenn etwas bes(onderes) war, machten Pommes frites, Gänsebraten, als Desert Mokkacreme; er war nie ein grosser Esser; ich glaubte doch ,dass Du, l. Martin, jetzt das Fischessen gelernt hattest, wie gerne möchten wir diese essen, wir können eben keinen mehr einladen. Vater geht es ganz gut und war der Arzt letzte Woche zufrieden. Jeder findet, dass er wieder besser aussieht. Wollen hoffen, dass er gesund bleibt, denn es giebt momentan schon sehr viel zu erledigen. Nachmittags gehe ich überall mit. Dass ich sehr aufgeregt bin, wenn ich allein zurückbleiben muss, kann man doch verstehen und hat man gar keine Freunde mehr mit denen sich man aussprechen kann; ist denn keiner da, der für mich auch mal was tun könnte. M(eine) Cousine giebt mir keine Antwort mehr und soll ich allein leiben, stelle dich mal, l. Martin, an m(einen) Platz und überlege mal. Wie ich höre, ist m(ein) Neffe Simon auch seit 4 Wochen mit Familie in New York, alle von B[rüssel?Belgien?] wollen weg. Bei uns ist jeden Abend Gesellschaft uns ist immer grosse Debatte. Für heute sende ich herzliche Grüsse Johanna Kossmann.
My dear children,
Thank you very much for the beautiful picture and for the one from you, dear Mitzi with your first duck, which I assume tasted great.  Martin has always been fond of duck and goose.  It was three years ago in February that I attended Uncle Alex’ 70th birthday in Benberg.  Back then I brought home a giant duck; since then I had none.  The warm shine in your eyes tells us how much you had enjoyed yours.  But, so God will, we will soon be able to celebrate that great meal of yours with you together. 
Since it takes forever from here to get a room on the ship in Lisbon, I sent you a cable via Norddeutsche Lloyd to ask you to reserve these yourselves from over there; hopefully you can do so. The Aid Office is powerless in this.  And we will not get our appointment in Stuttgart, unless we have seats reserved.  One has to be able to report to them exactly the ship one would take, the check-in date and the No of the cabin.  Thursday I was in Darmstadt and was told by a Mrs Gernsheimer of Eberstadt that her room was also reserved from overseas, and it all went very fast because of this so that she could leave in May. Now I wonder if you can get it done better over there than we here.  Anyway, I did the same from here via the Norddeutschen Lloyd, so I hope one of the two will work.
This week I got a letter from Louisville that Aenne is expecting a baby in June; they also wrote that they were very unhappy and that Uncle Max had a fight with his son-in-law, and so they do not have a business together any more.  If they did not tell you about all this, you should not speak about it, not even with the Nachmanns, for I do not want to spread bad news coming from me. They wrote that, had they known this a year earlier, they would have never gone to Louisville.  Perhaps the little prince will reunite them again.  I hope for this.  Julius Kahn’s family also do not as of yet have room on the ship.  Perhaps we can go together, after all.
That you have to send an additional 84 dollars to NY for the trip from the German border to Lisbon, I have, as much as I can recall, already written about in the last letter.  Tomorrow I will visit Simon Schott in Mörfelden, whose wife was buried on Friday.  You can tell Salomon about this.  I am doing much better now, thank G. and hope you are doing great as well.  Give my greetings to the in-laws and all family, and warm kisses from your father.
Hede is gone to Worms for a few days and comes back tomorrow.  I thank you in advance for the care packages to be sent.  Please do not send any more of those for now.


My darlings,
We were very happy to receive your letter about the duck; we were drooling over it, for we have not had such for a long time.  You, dear Mitzi were asking about Martin’s favourite recipes: when we had a special event, we made fries, baked goose and coffee creme for dessert.   He has never been a great eater.  I believe dear Martin that you‘ve now learned to like fish; we would love to eat that also, but we cannot invite anyone.
Father is looking good, the doctor was content with him last week.  Everybody thinks he is doing better.  Let’s hope he stays healthy as there is much to do these days.  Afternoons I always go with him.  I am very upset about having to stay alone here, you can understand that;  I have no friends to talk to, and there is nobody who could do something for me.  My cousin does not respond to me anymore, and imagine dear Martin my situation should I stay all alone.  As I heard my nephew Simon has left for New York with his family; all of them from Belgium want to leave.  We have company every night with great debates.  Warm greetings Johanna Kossmann.

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