17. 2. 1941

Meine lieben Kinder,

Euren Brief vom 29. 12 nebst den Schönen Bildchen empfing dieser Tage und danke ich euch Recht herzl. dafür. Wie aus euren Zeilen entnahm, geht es euch gut, was G. L auch von uns allen berichten kann; durch mein salzloses Leben geht es mir wieder recht ordentlich und verspüre fast keine Herzschmerzen mehr. Nun hast du, l. Mitzi, auch noch gesehen, wie ich als Bub ausgesehen habe; dies waren noch schöne Zeiten für mich. Auch Alice war damals mit uns in Reichenhall und müssen sich doch auch ein Bild von Alice und mir (beim Fensterln) haben, was auch sehr nett war. Mir sind all diese Bildchen abhanden gekommen.
An Tante Hans sandte 2 Pakete, die aber wieder zurück kamen, da es von hier aus nicht geht. Mit Genehmigung der Regierung kannst du ihr ja was schicken. Sie wollte ein Halstuch, Strümpfe, Schlupfhosen, Suppenwürfel und sonstige Lebensmittel, die nicht so leicht verderben, haben. Wenn dir dies aber nicht möglich ist, kannst du ihr vielleicht etwas Geld schicken. Wie dir ja schon geschrieben, traf sie Rudo und Getrud. Ihre Adresse ist: J. Koppel Flat K. Baraques .... Camp de Gurs Basses Pyreneés.

In meinem letzten Brief schrieb dir wegen einer neuen Bürgschaft, was du aber vorerst unterlassen kannst, bis dir hierüber schreibe oder telegraphiere.
Ich habe heute in St(uttgart) nachgefragt, ob meine Bürgschaft vom 11. 6. 1940 in Ordnung geht und warte auf Bescheid , denn wie jetzt hörte, dürften die Bürgschaften 1 Jahr alt sein. Im Hause, wo Julius Kahn wohnt, ist diese Woche eine Dame mit der. No. 28000 bestellt worden. Man kann jetzt nur nach Stuttgart , wenn man einen Schiffsplatz belegt hat, was von drüben aus geschehen muss. Z. Z sind diese sehr
schwer? erhältlich Kahn sollen einen per Mai bekommen; obs wahr wird?
Onkel Salomon kannst du sagen, dass sein Freund Frohmann nochmals nach Stuttgart muss, da er ein kl. Geschwür im Genick hatte, das er erst ausheilen muss; dann kann er wieder kommen und wer weiß, wann er dann einen Schiffsplatz bekommt. Wenn wir mal wo weit sind, so setze dich mit Carl in Verbindung, der die Sache richtig anpackt. Sonst weiß für heute Nichts zu berichten. Grüsst eure l. Eltern sowie Haus Salomon und seid Ihr Beide recht herzl. geküsst von
Eurem Vater. Vergesst die bestellten Lebensmittel an uns nicht. Schreibe mir die Adresse von Max Herz.
Folgt ein schlecht zu transkribierender Zusatz von Frau Kossmann, der im Briefkopf fortgesetzt wird. Darin ist u. a. die Rede von eine fromm gewordenen Martin und seinem Käppi ( = Kippa)




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