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Lieber Martin   6. IX 40


Dein Bf. vom 6. August traf am 2. IX. ein, fast so schnell wie Luftpost; anscheinend ging dieselbe über Lisabon. Du schriebst wegen dem steifen Arm und Gehör; dies musst du unbedingt nach St.(uttgart) schreiben! Z(ur)Z(eit) geht es dorten sehr langsam; wie man hört, sind Leute, die bestellt waren, wieder abbestellt worden. Ich glaube, dass vor der Präsidentenwahl auch wenige mehr fortkommen.

Ich weiß nicht, ob ich dir schon schrieb, dass Moritz Sobernheim früher in Worms, jetzt in Chile, gestorben ist.

Hier gibt es wenig neues, die meisten Bekannten sind fort und in alle Welt zerstreut. Wir verleben einen Tag wie den anderen, mit Karten spielen und spazieren gehen. Wir haben vor, nächste Woche in den Taunus zu gehen, das zweite mal, solange wir hier sind in 20 Monaten, und Hede geht Samstag für eine Woche nach Bretten. Wie Hilde Gutmann schrieb, ist Ruth sehr dick geworden und wird sie sich doch Else nicht zum Vorbild genommen haben, aber den guten Appetit hatte sie ja schon immer! Anscheinend ist sie doch gut angesehen bei ihrem Chef, sonst hätte er sie doch nicht ins Geschäft genommen. Ich weiß nicht , warum Hanne und Ruth nicht mehr an uns schreiben, denn auf meinen letzten Brief, dem Rückportoschein beilegte, haben sie nicht geantwortet. Hast du eigentlich die Liselotte Koch schon gesehen, Enkelchen von Adolf Guckenheimer? Curt Hirsch hast sie gesprochen, sie schrieb.

Nun kommt jetzt der fünfte Rosch-ha-schonah, wo du von uns weg bist und hoffen wir doch, dass wir zum sechsten bei dir sein werden. Ich gratuliere dir recht herzlich zum Jahreswechsel und wünsche vor allem, dass du gesund bleibst und es dir weiter gut geht; und verbleibe mit einem festen Neujahrskuss dein Vater.


Ich sende dir, l.(ieber) Martin, die herzl. Glückwünsche zum neuen Jahre und alles Gute für die Zukunft; vielleicht gehen die Herzenswünsche doch mal in Erfüllung. Von m.(einen) Lieben sind auch m.(eine) Schwester Bella und Schwager Phil. Zurück; auch der Junge von m(einer) Tochter Hilde; wie er zu seiner Mutter sagte, will er jetzt ins Ausland, die andern sind noch zerstreut; es ist zu traurig. Wir haben wieder endlich wärmere Tage, es ist gut so. Neues weiss nicht zu berichten. Mit herzl. Grüssen von Deiner Joh. Kossmann.


Lieber Martin! Recht herzlichen Glückwunsch zum Jahreswechsel und Alles gute. Herzliche Grüße an Blum und das Gleiche - herzliche Grüße an alle Lieben dort und Max Schott. Grüße und Küsse Deine Schwester Hede.


Oben rot markiert: Einliegenden Brief gib an Onkel Salomon und Nachmanns.



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