around August 11, 1940


Lieber Martin 11. 8. 1940

Dass wir alle wohl sind, hat Dir dein Vater berichtet und was sich sonst so zuträgt, eigentlich erleben eben gar nichts. Zu unserer Erholung waren diese Woche im Taunus; es war da eine nette Gesellschaft und das Wetter war fein, von der Hohemark aus sind auf dem Wege zum Sandplacken liegen geblieben, gerastet und haben uns die Brote gut schmecken lassen und wieder weiter; auf einmal vermisste Vater die Brieftasche, ich mit meiner Cousine und Vater zurück und endlich nach langem Suchen wieder gefunden; die Aufregung war gross, da die Kennkarten darin waren, aber der Schluss war noch schön. Skatgesellschaft giebt es eben nicht, da der Bekannte über Moskau abgereist ist, Herr Kaufmann arbeitet; aber abends haben immer Romeepartie mehr als genug;

die Adresse von Friedel haben noch nicht; sie wohnen sehr weit? von uns.

Jul.(ius) Kahn´s fahren jetzt bald fort und ist Frieda beglückt, bei Carl dann zu sein.

Was mit mir wird, das ist ein Rätsel, ich hatte m.(einer) Cousine geschrieben, dass ihre Tochter und Schwiegersohn mitbürgen sollten, aber davon wollen die Leute nichts wissen. Du hast es v.(on) Ch(igaco) auch fertiggebracht, die erste Bürgschaft zu bekommen; vielleicht glückt es Dir wieder, wenn Du doch schreibst? Ich werde an Berthel schreiben, sobald die Adresse habe und vielleicht auch an Lori; an den Hilfsverein will mich noch nicht wenden, diese hatten es mir, als bestellt war (jeder wird wegen Auswanderung vorgeladen) angeboten, sich direkt an die Verwandten zu wenden, aber ich denke, das giebt böses Blut. Durch meine Cousine hörte ich, dass Gina in Franz(ösisch) Marokko in Cacablanca gewesen ist; Phil. und Fam. wären in France, aber wo? - meine Schwester Eva? mit Mann sind in Lissabon, aber m.(einer) Tochter Alices Yvonne ist nirgends aufzutreiben? - M(eine) Tochter Hilda ist in Liège zurück und sucht ihren Jungen - ist das nicht furchtbar? -alle zerstreut, und ich weiss später nicht, wohin, wenn dran denke; ich soll allein zurück bleiben, ist das auszudenken? - denn zu m(einen) Kindern - das ist erledigt! Sicher müssen diese auch wandern.

Tue das Möglichste(s) für mich, l. (ieber) Martin, denn was sollte aus mir werden? Wir haben doch s(einer) Zeit auch schweres erlebt mit Vater und Hede. Besten Dank und herzl. Grüsse von Joh. Kossmann.


Lieber Martin! Deine Geburtstagsgrüße habe ich erhalten und mich sehr damit gefreut. Ich hoffe auch bestimmt, daß wir nächstes Jahr gemeinsam feiern können. Von Golds haben wir einen sehr netten ausführlichen Briefe; sie schrieben, daß Lore auch Bäbynörse (=Babynurse=Kinderpflegerin) ist. Ich habe noch wöchentlich 2 x Englisch Morgen kommt Tante Hans auf einige Tage. Unsre Mieter sind keine Golds Herzl. Grüße und Küsse, nächstens mehr Deine Schwester Hede. Beste Grüße an Ruth und d.(ie) Andern.


Dear Martin,
Your father has already told you that we are all healthy, and there is not much else to report.  We were in the Taunus this week to relax a bit.  We had nice company, the weather was fine; we started at the Hohemark, and then rested at Sandplacken, eating our sandwiches, and then onwards; Suddenly father could not find his briefcase; so father, myself and my cousin went back and after a lot of searching we found it; this was a major upset as the ID cards were in it, but at the end all was well.  We no longer have a group of Skat players as they have left via Moscow; Mr Kaufmann works; but in the evenings we play rummy, more than enough; We do not have the address of Friedel yet.  They live far away from us.
The Kahn’s are leaving soon and Frieda is happy to be again with Carl.
It is a mystery what will happen to me; I wrote to my cousin that her daughter and son-in-law should co-sponsor me, but they would hear none of that.  You have managed from Chicago to get the first one done; perhaps you can do it again, if you write again? As soon as I have the address, I will write to Berthel and perhaps also to Lori;   I do not as of yet want to contact the aid society; although when I had my interview with them (everyone has to have one), they offered to me that they would turn directly to the relatives, but I think that will cause trouble.  I heard it from my cousin that Gina was in French Morocco, in Casablanca.  Phil and family were in France, but where exactly?  My sister Eva and husband are in Lisbon, but we know nothing about my daughter Alice’s Yvonne – My daughter Hilda is back in Liège looking for her son – isn’t this terrible? They are all over the place, and I have no idea where I should go; when I think of staying here alone – just awful!  Because I cannot go to my children – that is finished! Surely they must be fleeing, too.
Do your best for me, dear Martin, for I don’t know what will happen to me.  We went through terrible times together with father and Hede.  Thank you so much and greetings from Joh. Kossmann.

Dear Martin,
I received your birthday wishes which made me very happy.  I hope that for sure next year we can celebrate it together.  We received a very detailed letter from the Golds, where they wrote that Lore is now a babynurse= babysitter.  I have English 2x/week; tomorrow Aunt Hans is coming for a few days.  Our new tenants are not like Gold’s.  Warm greetings; more next time, your sister Hede.  Give my greetings to Ruth and all the others.

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