Lieber Martin 22. IV. 40

Diese Woche trafen Briefe vom 21. III. dann vom 8. II. von dir und gleichzeitig von Onkel Salomon vom 24. I. ein. Zwei Tage später dein Bf. Vom 29.III. nebst Bild von Stanley und Frau, die, nach dem Bild zu urteilen, schön und lieb sein muss. Auch Stanley macht einen guten Eindruck. Ich habe noch nie ein Bild von ihm gesehen.

Max Oppenheimer muss doch ein tüchtiger Mensch sein, wo er nach so kurzer Zeit schon das III. Geschäft aufgemacht hat. Onkel Max und Selma sind ja jetzt auch längst bei Ihnen und hoffe doch, dass sie dir auch meine Grüsse jetzt übermittelt haben.

Wie ich hörte, haben die Gerauer, die in N.Y. sind, für Friedel Sch(ott) zusammengelegt und ihm das Geld für die Passage geschickt; er hat Glück gehabt und bekam gleich Arbeit bei seinem Bürgen in einer Kuchenfabrik. Ich freue mich sehr für ihn und seine Eltern. Vielleicht hörst du mehr von ihm. Hast du ihm gleich auf seine Karte geantwortet ? Betr.? die Bürgschaft für uns habe ich sie per „Einschreiben“ abgeschickt und auch hineingeschrieben, dass (Textlücke) mein rechter Arm steif ist und dass ich nicht gut höre. Ich denke, dass Golds dir hierüber geschrieben haben. Herr Gold hat auch Arbeit in einem Sanatorium (à la Goddelau) und anscheinend sehr schwerer (=schweren) Dienst als Krankenpfleger.

Mit Salomons und Nachmanns Bf. habe mich sehr gefreut, zumal daraus entnahm, dass es Ihnen gut geht und er nette Scatgesellschaft hat. Auch wir spielen Montag-Mittags Scat und Abends Rommé. Sonst gehen jetzt viel spazieren, da es in der Luft wärmer ist, wie im Zimmer.

Alberts Frau und Kinder hatten noch grosses Glück, dass sie gerade noch vor Torschluss fortkamen. Ich hoffe, dass du diesen Bf. bald bekommst und lege Rückporto bei; gewöhnl.(iche) Bfe. brauchen 6-8 Wochen. An Paketen empfingen (wir) insgesamt 9 St(ück). Danke dir noch recht herzl.; Hunger brauchen (wir) nicht zu leiden. Grüsse alle Verwandten und Bekannten und sei du herzl. geküsst von d. Vater.


Hast Du, l. Martin, an meine Cousine geschrieben? Denn jetzt zu Gina und Alice zu kommen, ist ja unmöglich und hören gar nichts; (ich) bin sehr erregt darüber, es ist traurig für sie?

Oben: schade, dass man nichts mehr schreibt, denn es hat uns gut getan; sei froh, dass es Dir gut geht. Vielleicht hörst du was von ihnen herzl. Joh . Kossmann.






Dear Martin,
This week we got your letters of March 21, then of Feb 8, and at the same time one from Uncle Salomon of Jan 24.  Two days later your letter of March 29, with the picture of Stanley and his wife, who, based on the picture, is a beautiful and lovely person.  Stanley looks good, too.  I have never before seen a picture of him.
Max Oppenheimer must be a clever man who, after such a short time has already opened his third shop.  Uncle Max and Selma must have also arrived there and I hope they gave you my greetings.
As I heard the Gerau people who are now in NY put together the money for Friedel Schott’s trip.  He got lucky and found a job right away in his sponsor’s sweet factory.  I am very happy for him and his parents.  Perhaps you will hear more from him.  Have you responded to his card right away?  Regarding the sponsorship, I wrote to them by registered mail and also said that my right arm is stiff, and that my hearing is not so good.  I believe the Golds wrote to you about this.  Mr Gold found work at a Sanatorium (like the one on Goddelau) – an apparently very difficult task as a caretaker.  I was very happy about Salomon’s and the Nachmann’s letter, for they said they were doing well and have nice company. We, too play Skat every Montag during the day and Rummy in the evening. Other than that, we go for a lot of walks as outside it is warmer than in the hause.
Albert’s wife and children were lucky to get out before the gates were closed.  Hope you get this letter soon; I enclose stamps for your response.  Normal letters take 6-8 weeks.  We got 9 packages so far.  Thanks a lot; thanks to you we are not starving.  Greetings to all and warm kisses from your father.

Have you written to my cousin, Martin?  Currently it is not possible to get to Gina and Alice, we hear nothing; I am very upset about this; it is so sad for her.
Top: Pity that they do not write anymore; it helped us a lot; be glad that you are doing well; Perhaps you’ll hear from them.  Warm greetings Joh. Kossmann.

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