Ohne Briefkopf    1. 4. 1940

Lieber Martin. Noch selten habe mich so gefreut wie dies Woche als dein Brief vom 14. III. eintraf. Hier sah ich, dass mein Schutzengel (eure liebe sel. Mutter) noch über mich wacht, sowie über euch Beide. Die Vernunft hat bei dir gesiegt; aber deshalb sollst du absolut nicht Junggeselle bleiben; im Gegenteil, ich bin sehr dafür, dass du dich mal verheiraten sollst und ich wünsche dir, dass du dann eine so gute und liebe Frau bekommst, wie ich sie hatte.; aber vorerst musst du dir diese Gedanken noch aus dem Kopfe schlagen, bis wir s.(o) G.(ott) w.(ill) mal drüben sind und Fuss gefasst haben. Ich glaube doch, dass du nach reiflicher Überlegung derselben Ansicht bist. Ich war fast 35 Jahr alt, als ich heiratete und was habe ich noch eine gute Freu bekommen! - was (ich) stetz (=stets) als eine Belohnung von Gott betrachtete, weil ich im Sinne meines verstorbenen Vaters gehandelt habe. Was ich damit sagen will, wirst du wissen.

Du schriebst, dass du beängstig(s)t bist wegen einer neuen Bürgschaft für uns. Warum? Will Harry dieselbe nicht wieder geben? Hast du dieserhalb schon mit ihm oder Onkel Max gesprochen? Nach deinem Schreiben muss ich annehmen, dass du abschlägigen Bescheid bekommen hast. Ich werde erst an Harry oder Max schreiben, wenn (ich) hierüber Antwort von dir habe.

Es freut mich, aus deinen Zeilen zu sehen, dass du in Texas nichts verloren hast und dass du wieder gut verdienst. Warum wohnst du nicht mehr bei der Tochter von Wetzler´s oder bis du näher zu deinem Geschäft gezogen? Am gleichen Tage, wo dein Brief kam, erhielt (ich) auch Nachricht von Gina, die deine Karte, die du an sie geschrieben, einlegte. Von Holland habe jetzt 3 Pakete empfangen, mit denen uns sehr freuten und habe noch 2 weitere Sendungen bestellt. Friedel Schott reist nun endlich am Mittwoch, d. 3. IV. hier ab. Ich werde am Samstag mit Hede für 3 Tage zu Tante Hans gehen, die sich doch sehr verlassen fühlt. Grüsse alle Verwandten von mir und sei du herzlich geküsst von d. Vater.


Lieber Martin. Wie glücklich dein Vater ist, kann (ich) Dir gar nicht beschreiben. Es ist für alle eine Erleichterung da, dass Du vorerst deinen Heiratsplan aufgegeben hast. Tante Hans hatte über Dich sich nicht gefreut; jetzt ist alles gut; dass wir Fresspäckchen erhalten, tat uns gut; man sagte mir, dass wieder besser (linker Rand) aussähen; hoffentlich erhalten weitere! Alice hat mir auch etwas geschickt, aber von Belgien darf nichts heraus. Hast Du vielleicht Nachricht, ob Tante Selma und Onkel drüben sind? Von Gold´s erwarten Bericht; hast Du an diese geantwortet? Wir haben wieder neue Mieter ein ruhiges Ehepaar. Das Wetter ist noch schlecht, trüb - wie die Stimmung Für heute herzl. Gruss Joh. Kossmann.

Rechts. Warum bist du umgezogen?

0ben: Der letzte Brief war rasch hier; hoffen bald Nachricht.



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