Ohne Briefkopf Mittwoch d. 21. II. 40


Lieber Martin

Vergebens warte von Woche zu Woche auf Nachricht von dir. Ich nehme an, dass du wöchentlich schreibst, aber wie man hört, wird die Auslandspost von den Engländern beschlagnahmt. Ich weiß ja nicht, ob du meine Bfe. bekommst, weshalb heute mal probiere, via Sibiria zu schreiben, was du auch mal probieren kannst; oder schreibe an Clara Mainzer, die den Bf. nach hier weiter leiten kann. Vergiss aber nicht, Porto einzulegen, da sie ja doch kein Geld hat. Dass Heinz nicht mehr verlobt ist, habe dir ja im letzten Bf. geschrieben, aber da (ich) nicht weiß, ob du ihn erhieltst, wiederhole (ich) es. Heute reiste Familie Gold ab, und wirst du ja nach Ankunft von ihnen hören. Du kannst dir nicht denken, wie leid uns dies allen tut, weil es zu liebe Menschen sind; wir waren gerade ein Jahr zusammen. Von Familie Wetzler hören gar nichts mehr. Soviel ich weiß, sind sie jetzt in Leipzig. Von Selma und Marx hörte diese Woche durch Robert Kramer; es geht ihnen gut und hoffen, bald zu ihren Kindern zu kommen.

Wie geht es dir? Ich habe von dir noch nichts gehört, ob du wieder in deinem alten Geschäft bist oder ob du eine andere Beschäftigung hast. Schreibe mir hierüber doch mal ausführlich, auch, ob und wieviel du in Texas eingebüsst hast! Wie geht es Salomon und Fam. Nachmann? Job wird mit seinem Brothandel viel Arbeit haben.

In Stuttgart sei die Nr. 21000 aufgefordert, die Papiere einzuschicken und so hoffe ich, auch im Mai an die Reihe zukommen. Hierüber wirst du von Golds hören. Am Montag habe (ich) mein Haus an Herren Burkhard für 15 000 Mk verkauft Der Mann hat z. Z. den laden in Onkel Salomons Haus gemietet. Er will jedenfalls auch noch das Magazin kaufen.

Julius Kahn kommt jetzt auch später fort, da seine Papiere nicht in Ordnung waren - wie die meisten Bürgschaften; deshalb geht es auch eben so rasch mit der Aufforderung. Onkel Joseph ist in Karlsruhe im Krankenhaus. Er hat immer hohes Fieber und wollen die Ärzte feststellen, woher dies kommt. Sonst weiß heute nichts zu berichten. Grüsse an Salomon, Job und Else und sei du herzl. geküsst von deinem Vater.



Dear Martin,
In vain am I waiting for news from you, week after week.  I assume you have been writing weekly to us, but, as we are told the English are catching all mail from abroad.  I have no idea if you get my letters, and so, today I’ll try to write to you via Sibiria, which is something you could try as well; or write to Clara Mainzer who could forward it to us.  But don’t forget to enclose some stamps for she has no money.  That Heinz is no longer engaged I have already written in my last letter, but since I don’t know if you got it, I repeat it.  The Gold family has left today, and you will get some news from them.  You can imagine how sad this makes us, since they are such nice people; we spent exactly a year together.  We hear nothing about the Wetzlers.  As far as I know they are now in Leipzig.  I heard about Selma and Max this week via Robert Kramer.  They are doing well and hope to meet their kids soon.  How are you doing? I have not heard at all whether you are back in your old job or have a new one.  Write to me about it in detail and also about how much Texas ended up costing you.  How are Salomon and the Nachmann family doing? Job will be busy with his bread sales.  In Stuttgart they are now doing the numbers 21000, to send in the papers and so I hope it will be our turn in about May.  The Golds will tell you all about it.  Monday I sold my house to Mr Burkhard for 15000 Marks.  That man rented the shop in Uncle Salomon’s house for now.  He wants to buy the storeroom as well.
Julius Kahn will have to travel later as well as his papers were not in order – like most sponsorship.  That is why the requests happen so fast now.  Uncle Joseph is hospitalized in Karlsruhe.  He has high fever and the doctors want to find out why.  Otherwise nothing new to report.  Greeting to Salomon, Job and Else and warm kisses to you from your father.

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