around January 23, 1940


Ohne Briefkopf

Lieber Martin! Endlich heute, den 23. Jan., erhielten einen Brief von Dir und kann Dir sagen, dass es Vater jetzt etwas leichter ist; er hatte sich viele Gedanken gemacht. Du kennst ihn, denn er spricht sich darüber nicht so aus; schreibe wenigstens alle 14 Tage Luftpost; diese kommen an. Ihr habt Sylvester fein gefeiert. Hier waren um 10.00 Uhr im Bett, da giebt es bei uns nichts mehr und am wärmsten ist es bei der furchtbaren Kälte und Schnee im Bett; überhaupt unsere Lebensideen sind heute für alle ganz anderer Art, wir Ruhe wollen haben, denn Aufregungen haben täglich.

Dass Herm(ann) Marx verheiratet ist, hat Philipp geschrieben; denkst du wirklich, dass die Reihe jetzt an Dir ist? Ich kann nur sagen, dass Du grosse und schwere Pflichten vorerst zu erfüllen hast; das Alter hättest Du dazu, aber vorerst kommt, dass Du für Vater und Hede zu sorgen hast; glaube mir, Vater geht nicht gerne von hier fort, aber da ist nichts zu machen, hier bleiben kann man nicht.

Golds waren in Stgt.(art), haben das Visum und denken in 1-2 Monaten bei ihrer Tochter zu sein. Es muss ein prachtvolles Kind sein und gut erzogen. Dass Hanna und Ruth sich wohl fühlen, glaube gerne; dass sie von Else los sind, war kein Fehler. Du schreibst gar nichts von Onkel Salomon und den andern. Vater möchte ver(schiedenes) von Ihnen wissen. Wir erwarten von Tante Ida Nachricht, sicher hat (sie) nicht Luftpost geschickt. Endlich nach 3 Monaten hatten Brief von Levys, vielleicht kommen sie bald zu den Kindern (vielleicht) bekommen wir jetzt ein Fresspaket von denselben, denn Kaffee, Thee, Cacao, Oel, Käse etc. p.p. wäre ein schönes Liebespaket, auch Huhn und Gans, sagt Vater, der neben mir sitzt, wäre sehr willkommen; denn bei dem Frost hält sich alles gut. Falkensteins hoffen auch bald bestellt zu werden; ich wäre froh für dieselben; sie leben in sehr kargen Verhältnissen. Von Tante Hans haben ab und zu mal eine Karte, sie hofft, dass Meta bald fort kommt und das wäre eine Erleichterung für die alten Leute; Onkel sei noch nicht gesund. Wir erwarten bald wieder Nachricht von Dir. Vergesse deine Lieben oben Leute hier nicht! Am Sonntag waren Jul(ius) Kahn´s hier; diese hoffen, im Frühjahr, dort zu sein. Kaufmann´s können die Papiere auch zur Einsicht einsenden . Für heute Grüsse; wir erwarten alle 14 Tage Luftpost. Joh. Kossmann. Bekommst du die Rückerstattungs-Scheine. Vater legt immer sie bei. Gieb Antwort!



Dear Martin,
At last, today, Jan 23, we received a letter from you, and will tell you father feels much better now; he was very worried.  You know him, he does not talk about it; send at least every two week airmail – these actually arrive.  You had a great New Year’ Eve.  We went to bed at 10:00, there was nothing to celebrate, and at this terrible cold you are better off in the warm bed; In general, our ideas about a good life have changed.  We just want peace, we have enough trouble every day.  We learned from Philipp that Herrmann Marx got married.  Do you think it is your turn now?  I can only say that you have great and difficult duties to fulfil at first; you are old enough for getting married, but first you have to take care of father and Hede; believe me, father does not want to leave but there is nothing he can do about that, one cannot stay here.
The Golds were in Stuttgart, received their visa and hope to be with their daughter in 1-2 months.  She must be a great and well brought up child.  That Hanna and Ruth are feeling great I can understand; it was the right decision to get away from Else; You do not write anything about Uncle Salomon and the others.  Father would like to know a couple of things about them.We expect news from Aunt Ida, for sure she did not send it via airmail.  Finally, after 3 months we got a letter from the Levys, perhaps they will soon be with their children; perhaps they will send us a care package with coffee, tea, cocoa, oil, cheese, etc.; a chicken or goose would also be nice says father who is sitting beside me; in this cold everything will keep long.  The Falkensteins also hope to have their appointment soon.  I would be happy for them, for they live very poorly.  Occasionally we get a card from Aunt Hans, who is hoping meta will get away soon, which would mean a great relief for the old people.  Uncle has still not recovered from his illness.  We expect news from you as soon as possible.  Don’t forget (on top) your loved ones.  We had Julius Kahn visiting on Sunday.  They hope to be there by the Spring.  The Kaufmanns can now send in their papers also. Greetings for today; we expect biweekly airmail. Joh. Kossmann.  Do you get the vouchers? Father always adds some.  Please let us know!

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