Ohne Briefkopf Frankfurt, d. 23. I. 1940


Lieber Martin!

Ich hoffe dich doch gesund, was G.(ott)L.(ob) auch von uns allen sagen kann. Jetzt sind es schon über 2 Monate, dass deine letzte Nachricht eintraf (es war dies dein Luft Bf. vom 5. XI.) Ich nehme ja an, dass du doch wöchentlich schreibst, aber die gewöhnlichen Briefe werden anscheinend von den Engländern zurückgehalten. Versuche jetzt nach Erhalt d(ieses) einen Luftbrief an Gina zu schicken, die ihn dann an mich weiterschickt, denn Frau K. (ossmann) bekommt wöchentlich von dorten Nachricht; du kannst dir denken, dass ich beunruhigt bin, zumal ich nichts von dir gehört habe, was du jetzt für Beschäftigung hast. Auch von Nachmanns habe Nichts sicher gehört. An Job habe vor Wochen geschrieben und hoffe ich doch, dass er den Bf. erhalten hat. Wir haben dieses Jahr einen sehr kalten und langen Winter. Letzte Woche hatten bis 27 Grad, heute früh 14 Grad, was immer noch kalt genug ist. Letzte Woche hatte Bf. von Max und Selma und geht es ihnen gut. Ich habe ihnen geschrieben, dass sie uns über Holland ein Liebespaket schicken sollen. Hoffentlich kommt es bald.

Letzte Woche hörte von Betty in Darmstadt, dass Artur Sobernheim am Herzschlag gestorben ist. Er war ungefähr 1 Jahr bei seinem Sohn Hans in Basel. Betty kann jetzt auch nicht fort, da Chile gesperrt ist, obgleich sie ihr Visum hat. Dass mir Hanna und Ruth eine Depesche zum Geburtstag schickten, habe dir ja schon geschrieben, aber ich weiss doch nicht, ob du diesen Bf. bekamst.

Soeben traf dein Brief vom 5. I. ein, womit mich sehr freute, zumal ich daraus schloss, dass du wieder in deinem alten Geschäft bist. Aber über meine Anfrage, was du in Texas eingebüßt hast, hast du mir nicht geantwortet. Schreibe mir doch alle 14 Tage per Luftpost, da die andere Post nicht ankommt! Grüsse alle Verwandten und sei du herzl. gek(üsst) v.d. Vater.



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