Frankfurt a/m, d. 21. XI. 39

Lieber Martin. Dein Brief vom 5. XI erhielten gestern und entnahm, dass du wieder zu Hause gelandet bist; dass du von uns keine Briefe bekommst, ist mir unverständlich. Ich habe dir jetzt 4 Luft Post geschrieben, wovon 3 nach Corpus. Ich hoffe, dass dich diese Zeilen erreichen. Wir sind G.(ott) L.(ob) alle gesund. Dass du in Corpus so schnell zugegriffen hast, bin doch froh. Ich hatte mir gleich Nichts Gutes geahnt, wie du schriebst, dass der Herr erst 40 Jahre alt ist. Ich war erst der Meinung, dass es sich um einen alten Herrn handeln würde, der eine jüngere Kraft brauchte. Ich habe mir gleich gedacht, dass es ihm nur ums Geld ist. Ich bin froh, dass du vorsichtig warst., sei es auch weiter! Wenn dich die Reise auch Geld gekostet hat, so ist dies auch nicht schlimm. Hast du denn dein Geld, das du ihm gabst, wieder zurück bekommen? Was treibst du jetzt? Deine alte Stelle wirst du wohl dadurch verloren haben? Schreib mir ja alles!

Gestern habe Ida Hirsch nochmals am Bahnhof gesprochen, und wird sie dir verschiedenes schreiben, was ihr anbefahl. Sie fährt am 24. ab Genua. Ich hatte dir schon einmal geschrieben, dass in Stuttgart die Nr. bis 16.000 aufgefordert sind, ihre Papiere einzuschicken und hoffe ich, dass im nächsten Jahr wir auch an die Reihe kommen, denn je höher die Nr. kommen, desto rascher geht es da dann? viele schon in andere Länder ausgewandert sind. Auch schrieb dir, wenn z. Z. unsre Bürgschaft(en) erneuert werden müssen, dass mein Name nicht Emil sondern Michael heissen muss, damit dies mit dem Geburtsschein übereinstimmt.

Es wird dies in St.(uttgart) sehr genau geprüft. Diese Woche sprach einen Herrn Mayer aus Essenheim, der in St.(uttgart) war und kann sein Visum nicht bekommen, da sein Name in der Bürgschaft mit „ei“ geschrieben war. Aber bei uns hat es ja noch Zeit, bis dir schreibe. Mann kann ja heute nicht sagen, was morgen ist.

Von Wetzler habe lange nichts gehört.

Grüße alle im Haus sowie Salom(on), Job, Else und Adele? von mir und sei du herzl. geküsst von d. Vater.

An Salomon habe vor 8 Tage geschrieben und gratuliert.
Dear Martin,
Your letter of Nov 5 arrived yesterday and so we now know that you landed once more at home. I do not understand why you get no letters from us.  I have sent so far 4 airmail letters, 3 of them to Corpus.  Hope you receive this one.  I am glad you got ahead so fast in Corpus.  I knew right away there was something funny as I heard that the man was just 40 years old. First I thought it was an older gentleman looking for a younger helper.  But I thought right away he was only after the money.  Glad that you were careful – keep it that way!  It is not that bad if the trip cost you something.  Have you got your money back from him?  What are you doing these days?  You may have lost your old job meanwhile?  Write to me about everything!
Yesterday once again I spoke to Ida Hirsch at the station and I asked her to write to you about everything which she will do. She is leaving from Genoa Dec 24.  I have already written to you that in Stuttgart they are up to No 16,000 who have been requested to send in the papers; so I hope next year it will be our turn, for the higher the numbers are the faster they are processed, for until then there will be many who have already left.  I also wrote to you that when the sponsorship needs to be renewed, my name should be listed as Michael, not as Emil, so that it corresponds to my birth certificate.  They check everything very thoroughly in Stuttgart.
This week I spoke to a Mr Mayer of Essenheim, who was in Stuttgart and cannot get his visa because his name in the sponsorship papers was spelled with ‘ei’.  But our case can still wait until I write to you.  One cannot tell today what will be the case tomorrow.
Have not heard anything from Wetzler.  Greetings to all, also to Salomon, Job, Else and Adele and warm kisses from your father.
I have written to Salomon 8 days ago to congratulate him

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