Frankfurt, d. 14. XI. 39

Lieber Martin, deine Karte vom 4. XI. traf am 11. XI. ein. Ich freute mich, dein Wohl daraus zu entnehmen. Die Karte, die du schicktest, ist wohl eine Geschäftskarte von W. und M. - oder hast du das Schild aufgenommen? Ich freue mich, von dir zu hören, dass du vorsichtig bist und sei es nur auch weiter und lasse dich mit Geld nicht so sehr in Anspruch nehmen! Es fällt mir auf, wo der Mann erst 40 Jahre ist, (dass er) eine Hilfe braucht. Daraus schliesse ich, dass es ihm nur auf finanzielle Hilfe ankommt. Ich rate dir, genau aufzupassen und den tägl.(ichen) Umsatz festzustellen und dies für einige Monate. Dann kannst du deine Consequenzen ziehen. Auf alle Fälle ist es richtig, dass du dich für deine Einlage sicherst und lass dich nicht so hoch in Anspruch nehmen! Denn (wenn) wir mal kommen können, muss doch alles mit Devicen (=Devisen) bezahlt werden, dass du auch hierzu in der Lage bist. Ich kann auch nicht begreifen, wie er dir nachweisen will dass der Umsatz im letzten Jahr 20% höher ist, wenn er doch kein Bücher führt. Wenn er die Rechnungen vorlegt, musst du auch feststellen können, ob und wie sie alle bezahlt wurden. Jedenfalls ist es besser, gegen Bezahlung (zu) arbeiten als was unsicheres anfangen. Hat man drüben keine Auskunfteien? Oder ist dies auch zu unsicher?

Gestern war Ida Hirsch nochmals bei uns, sie fährt am 24. Dez. ab Genua. Sie wird dir verschiedenes schreiben. Auch von Nachmanns hörte gestern Abend durch Frau Elias, an die sie geschrieben haben. Es ging ihnen gut. Job schrieb, dass er morgens um 5 Uhr zu den Bäckern führe und seine Backware abhole und dann zur Kundschaft; er hätte schwer zu arbeiten und würde 20 - 25 Doll.(ar) verdienen. Frl. Elias will sich mit Photographieren ernähren.

Dies ist mein vierter Luftpostbrief an dich. Hast du sie alle empfangen? Ich lege stetz (=stets) Rückportoschein ein. Lass bald von dir hören und sei herzl. geküsst von deinem Vater.

Hede ist in die Stunde und Frau K.(ossmann) zum Augenarzt.


Dear Martin,
Your card of Nov 4 has arrived Nov 11.  I was glad to hear you are doing well.  This card is a business card of W & M – or have you taken on the name?  I am happy to know that you are being careful – just keep doing so and do not let people use you for your money.  It has just occurred to me as strange that although the man is only 40 years old he needs a helper.  From this I conclude that he only needs your money.  I suggest you watch carefully and note the daily intake for several months.  Then you can draw your own conclusions.  Either way it is correct that you want to ensure your investment and don’t let yourself be used!  Once we can come over, you will have to pay everything with hard currency, so make sure you can do so.  I also do not get how he wants to prove that his gain was 20% higher last year, without proper bookkeeping.  When he shows you the bills, you must be able to tell whether these were also all paid.  Either way, it is better to work for pay, than to go into anything so unclear.  Are there any information places one can use?  Or are they also unreliable?
Ida Hirsch visited us again yesterday; she is leaving Dec 24 from Genoa. She will write to you about all sorts of things.  I also heard from the Nachmann’s through Miss Elias last night, as they wrote to her. They are well. Job wrote he goes to the bakery at 5:00 am to pick up the bread; then he goes to his clients; this is hard work, and he gets 20-25 dollars.  Miss Elias wants to make a living with taking photos.
This is my fourth airmail letter to you. Have you received them all?  I always put return stamps into it.  Let us know from you soon and warm kisses from your father.

Hede is at her course, and Mrs Kossmann went to see the eye doctor.

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