Frankfurt, a/m  d. 7. XI 1939

Lieber Martin, wir sind G(ott) L(ob) alle gesund und hoffe desgleichen von dir. Seit deiner Karte vom 28.IX ab Corpus habe nichts mehr von dir gehört. Ich erwarte sehsüchtig einen ausführlichen Bericht über euren Geschäftsvertrag, sowie über das ganze Geschäft, ob es auch so viel abwirft, dass 2 Familien davon leben können, sowie über die ganzen Verhältnisse dort am Platze. Hast du schon netten Verkehr gefunden? Sieh auch, dass du dich mit Onkel Max in Verbindung setzt; er hat dir doch ein so schönes Geschenk mitgebracht, auch für Lore Gold haben sie was mitgebracht. Die Eltern von Lore Gold sind aufgefordert, ihr Papiere nach Stutt(gart) zu schicken und werden jedenfalls für Dezember bestellt werden. Diese Woche kam ein Schreiben an die jüd. Gemeinde hier, worin alle bis zur Nr. 16.000 aufgefordert sind, ihre Papiere nach

St.(uttgart) zu schicken und hoffe ich, dass wir auch im nächsten Jahr an die Reihe kommen. Wenn es mal soweit ist, wirst du vielleicht eine neue Bürgschaft oder eine notarielle Bescheinigung schicken müssen, dass sich die Verhältnisse der Bürgen nicht verschlechtert haben. Ausserdem lautet die Bürgschaft für mich auf Emil M., während meine ganzen Papiere hier, Geburtsschein etc., auf Michael lauten. Dies musst du dann z. Z. berichtigen, was du nicht vergessen darfst, da dies in St.(uttgart) sehr genau geprüft wird.

Heute bekamen Nachricht von Ida Hirsch in Mainz, dass sie  erst am 24. Dez. ab Genua fährt. Gestern Mittag hatte einige Herren bei uns zum Scat, was jetzt meine Hauptbeschäftigung ist und abends spielen meistenteils Romé mit den Damen. Ausgehen am Abend tue (ich) nie und um 10 Uhr geht´s in die Klappe. Auch lese auch jetzt mehr Bücher, wozu früher nie Zeit und Geduld hatte. Das wäre es für heute! Sei vielmals geküsst von d . Vater.

Ich erwarte baldigst einen Luftbrief von dir. Dies ist der dritte von mir, hoffentlich hast du alle erhalten!

Hede und Frau Kossmann lassen grüssen.



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