Kein Firmenbriefkopf Frankfurt, den 31. X. 1939

Lieber Martin, deine letzte Karte von Chicago vom 21. IX traf gestern und deine Karte von Corpus v. 28. IX traf heute ein, womit wir uns alle sehr freuen. Ich will hoffen und wünsche dir, dass dein unternommener Schritt zum Guten ausfällt. Wie du ja schreibst, sei dein Sohzius (=Sozius) ja ein anständiger Mensch. Sei aber doch vorsichtig und sieh der Sache gründlich in den Leib. Ob keine Ware und Bankschulden da sind und wenn du Geld in das Geschäft steckst, dass du auch eine Sicherung dafür bekommst. Schreibe mir alles ausführlich; du kannst ruhig Briefe schreiben, die kommen genau so langsam an. Was sind es für Leute, bei denen du wohnst?

Wenn du einen Geschäftsvertrag abschliesst, so muss auch festgelegt werden, dass jeder aus dem Geschäft entnehmen darf. Ich denke, dass Ihr denselben durch einen Anwalt macht. Vielleicht kannst du den Vertrag vor der Unterzeichnung entweder Max Herz , der doch erfahrener ist, oder auch Max Oppenheimer mal vorlegen, dass deine Interessen richtig gewahrt sind. Wir sind G.(Gott) L.(ob) alle gesund, was dir ja auch schon im letzten Luftbrief geschrieben, von dem (ich) hoffe, dass er dich erreicht hat: Schreibe gleich an Onkel Max, Tante Selma deine neue Adresse, da sie dir doch ein Geschenk mitbrachten, das (sie) dir doch schicken wollen. Sie haben dir doch geschrieben, aber von dir noch ohne Antwort.

Was treibt Frl. Elias? Hat sie schon Arbeit oder ist sie als Stütze bei Else? Job´s Brothandel scheint zu florieren; er hätte jetzt 100 Kunden.

Hast du eigentlich nichts von dem Krach gehört, den Else mit Saly hatte?

Lieber Martin, recht herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und Alles Gute und viel Glück im neuen Land sendet dir deine Schwester Hede. Was gibt es bei Onkel S. (alomon) Neues? Nägstes (=nächstens) schreibe ich mehr. Familie Gold läßt auch gratulieren. Mit derselben verstehe ich mich sehr gut. Weiter Glück im neuen Beruf!



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