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Kein Firmenbriefkopf   Frankfurt, d. 16. X. 1939

Lieber Martin. Heute hörte , dass man per Luftpost schreiben kann, weshalb dir gleich Nachricht zukommen lasse. Wir sind G.(ott) s.(ei) D.(ank) alle gesund und hoffe desgl.(eichen) von dir. Die letzte Nachricht, die von dir erhielten, war vom 5. IX. und traf letzte Woche ein. Ich habe dir auch gleich geantwortet, weiss aber nicht, ob du unsre Karte erhalten hast. Ich schreibe dir wöchentlich und hoffe desgl.(eichen) von dir. Ich denke, dass auch bald wieder was von dir kommt. Von Hanne und Ruth erhielten eine Karte vom 10. IX. Gestern hörte, dass Her Wetzler in Leipzig ist, wo er eine Schwester hat; seine Frau und Mutter würden folgen.

Den (=der) Acker, den von Nachmanns hatte, sowie mein Garten sind doch verkauft und jetzt auch genehmigt. Ich glaube von dem Verkauf hatte dir schon berichtet.

Was macht eigentlich deine Anbahnung mit Messier (= Monsieur?). Vielleicht ist es besser, wenn du jetzt noch wartest damit, denn, wenn wir doch mal rüber kommen können, brauchst du doch dein Geld für unsere Überfahrt; da dieselbe doch jetzt von drüben bezahlt werden muss; allerdings wird es noch eine geraume Zeit dauern, bis wir soweit sind. Du kannst ja auch mal per Luftpost schreiben. Wie ich hörte, geht dieselbe über Lissabon. Erkundige dich! Grüsse alle Lieben und sei du herzl. geküsst von deinem Vater.

Hede lässt ebenfalls grüssen.


Auch von mir ein Lebenszeichen. Sorgen brauchst Du Dir über uns noch keine zu machen, wir sind oft unterwegs, bes.(onders) Vater kauft ein , abends spielen Karten und haben nette Leute im Hause, parterre wohnt jetzt der Bruder von Leopold Kahn (= Sigmund) und ist das Haus jetzt rein nicht-arisch und alle froh, so können wohnen bleiben. Vater kann wieder Skat spielen, denn die Abende sind sehr lang.


Links: siehst Du Frl. Elias, ihre Mutter hat bis heute noch keine Nachricht von ihr und sorgt sich sehr? die ist gesund und sind öfter zusammen. Schreibe bald wieder! Herzl Joh. Kossmann.

Oben: Ida Hirsch ist für morgen in Stuttgart bestellt. Von Tante Selma hören nichts mehr.
Dear Martin,
I heard today that we can send you airmail, so I am writing to you right away.  Thank God we are all healthy and hope you are as well.  The last piece I’ve got from you was of Sep 5 arrived last week.  I immediately responded to it but am not sure whether you received our card.  I write you every week and hope you do, too. I believe we should soon get something from you.  We got a card from Hanne and Ruth of Sept 10   Yesterday I heard Mr Wetzler is in Leipzig where he has a sister; his wife and mother would follow him there.
The field I got from Nachmanns and my garden have now been sold and also approved.  I believe I have already told you about the sale.
How is your business with Messier? Perhaps it is better if you wait, for, if we manage to come over there, you’ll need your money for our trip; for this has to be paid by the sponsor now; but it will take a while until we are ready to go.  You could also write to us per airmail.  As I heard this would come through Lissabon.  Find out!  Greetings to all and warm kisses to you from your father.
Hede sends her greetings too.

A sign of life from me, too. Do not worry about us, we go out often, Father goes shopping and evenings we play cards and have nice people to visit us.  The brother of Leopold Kahn lives now downstairs (=Sigmund), so the house is now 100% non-Aryan and we are all glad we can stay here.  Father can play Skat again for the evenings are very long.

Left: do you ever see Miss Elias, as her mutter has not heard anything from her and is very worried.  The mother is healthy and we meet often.  Write again soon, Joh. Kossmann.
Top: Ida Hirsch has her appointment tomorrow in Stuttgart.  No word from Aunt Selma.

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