Firmenbriefkopf Frankfurt, den 7. Aug. 1939

Lieber Martin.

Hoffe dich gesund und kann G.(ott) L.(ob) Gleiches von uns berichten. Hede ist seit Samstag in Worms und kommt heute Montag wieder zurück. Die Wormser hofften bald nach Bolivien zu können, aber diese Woche hörten von Belgien, dass es vorerst gesperrt ist. Von Wetzlers habe noch nichts gehört, ob sie weg können. Nach Italien kann man jetzt auch für ½ Jahr als Übergangsland und, ob es verlängert wird, ist unbestimmt. Nachmanns werden ihren Lift ausgepackt haben und die Pension eröffnet haben. Else hat dir doch auch 1 P.(aar) Schuhe mitgebracht, hoffentlich hast du sie erhalten. Ihrem Manne seien sie doch so klein, deshalb solltest du sie haben. Von Onkel Max und Tante Selma wirst du ja auch Nachricht erhalten haben. Sie schreiben immer sehr vergnügt. Du kannst mir ja mal schreiben, was dir Else mitbrachte.

Familie Moritz Schott ist am Mittwoch nach England. Er hat von einem Vetter 4000 Doll. dorten auf die Bank gestellt bekommen. Er wird ja auch noch mindestens 1 Jahr bleiben müssen, bis er nach U.S.A. kann.

Jule Strauss sei jetzt nach Richmond, wo früher, wo früher unsere Schwester Bertha wohnte. Er schrieb an Leop.(old) Kahns, dass Nachmanns so eine schöne Wohnung hätten. Hast du eigentlich was gehört, ob Hanne wieder zu ihnen soll; denn Else allein kann doch keine Pension aufmachen.

Bei uns vergeht ein Tag wie der andere mit Langeweile. Es ist doch kein Leben, wenn man Nichts zu tun hat, aber unvermeidlich. Hast du was gefunden? Sei nur vorsichtig! Grüsse alle Bekannten und Verwandten von mir und sei du herzl. geküsst von deinem Vater.

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