Firmenbriefkopf Frankfurt, den 15. Juli 1939


Lieber Martin!

Dein Bf. 146 nebst Einlage kam gestern an und habe mich sehr damit gefreut, da es sehr schön ist und die Hauptsache, dass es dir 5 D. eingebracht hat. Du schriebst, dass du die Wäsche schwe(h)r unterbringen kannst. Kannst du dieselbe nicht in einem Koffer unterbringen?(xx s. dazu Anmerkung am Rand). Auch Levy´s bringen dir welche mit, da sie ihre Sachen doch nicht alle gebrauchen können; wenn du sie aber nicht unterbringen kannst, so mögen sie dir noch aufheben, bis du sie gebrauchen kannst.

Betr. der Auswanderung nach Mexico, meine ich, man sollte doch noch abwarten, ob Familie Wetzler in Belg(ien) was erreichen kann. Frau Wetzler war am Montag bei uns zum Kaffee und haben uns sehr mit ihr gefreut.

In deinem Bf.145 schriebst du, ich sollte mich über Nachmanns nicht aufregen. Es ist doch eine Gemeinheit, wie die mich behandelt haben. Job hat mir Mk 1300 von der Feldbereinigung verschrieben und, anstatt mir diese gegeben (zu geben), haben sie bis zum letzten Tag neue Kleider machen lassen und alles Möglige (=Mögliche) angeschafft; ausserdem hat mir Job ihren elektr. Eisschrank versprochen, aber Else hat ihn annderwe(ä)rts verkauft u.s.w. Diese Woche habe den ersten Bf. von ihm bekommen und schrieb Job ganz zufrieden. Übrigens habe dich schon öfter nach Berthels Mitbringsel gefragt, aber noch keine Antwort von dir bekommen. Anscheinend hat sie es selbst gebraucht.

Heute kommen Levy´s zu uns und am Mittwoch wollen sie fliegen. Ich werde mit ihnen zum Flughafen fahren. Ludwig Mayer (Sohn von Max Mayer) geht am Donnerstag nach England. Sonst nichts Neues für heute und sei herzl. geküsst von deinem Vater.


Lieber Martin.

Das Bildchen hat uns allen gut gefallen; mache so weiter, dann wird sich das immer bewahrheiten, was ich bei deinem Abschied sagte. Du lebst in dem Photoberuf auf. Wir waren gestern zum Abschied mit Levy´s gemütlich bei uns; es gab ein feines Gänschen. Frau Gold war unser Gast. Soeben hatten Besuch von Betty Freitag; sie geht mit Carl nach Chile; dies soll 250 D. kosten; erkundige Dich mal, ob es von dort aus für uns zu machen ist. Vater hat dazu mehr Lust als für Mexiko; sobald B(etty) Freitag noch näheres weiss, giebt sie Bescheid; das Klima soll gut sein und gehen eben viele Leute dorthin. Dein Schulfreund Watzi Arzt? fährt jetzt noch nach England; alles geht weg und bin dadurch sehr aufgeregt, da wir als bleiben müssen; für Belgien ist es unmöglich. Frau Wetzler ist eine nette Frau und und freut man sich (rechts), mit solchen Menschen zusammen zu sein. Herzl. Grüsse Joh. Kossmann


Links xx Anmerkung zur Zeile mit der Wäsche: oder kann sie Frau Sichel dir nicht aufheben?

Oben: Herzliche Grüße Hede. Das Bild hat mir sehr gut gefallen. Nägstens (=Nächstens) mehr.



Dear Martin,
Your letter No 146, together with the enclosure came yesterday, which made me very happy; it is very beautiful, and the main thing is that you earned 5 dollars with it.  You wrote that you did not know where to put the clothes.  Can’t you keep them in a suitcase? (see remark about this on the margin).  The Levy’s will also bring you some, for they cannot make use of all their stuff; but if you don’t know where to put them, they could store them for you until you can take them.
Re: emigrating to Mexico, I think we should wait and see if the Wetzlers can achieve something in Belgium.  Mrs Wetzler visited us on Monday for coffee and we enjoyed this very much.
You wrote in your letter No 145 that I should not get so upset about the Nachmanns.  But it is terrible how they had treated me. Job left me 1300 Marks for the clearing of the land, and, instead of giving me this sum, they had got new clothes and all sorts of new things.  In addition, Job promised I could have the electric fridge, but Else sold it, etc. This week I received the first letter from him, and he seems quite content.   I have asked you sever times about the present Berthel should have brought over to you, but had received no response about it.  Apparently, she has kept it for herself.
The Levy’s come over today, for they are leaving on Wednesday.  I will drive them to the airport.  Ludwig Mayer (son of Max Mayer) is going to England on Thursday.  Otherwise nothing else new today, warm kisses from your father.

Dear Martin,

We all loved the picture; keep doing so, and what I had said at your farewell will come true: You will make it in the photo business.  Yesterday we said our good-byes to the Levy’s; it was nice, we had a fine goose.  Mrs Gold had joined us as well.  We have just been visited by Betty Freitag; she is leaving with Carl to Chile; it should cost 250 Marks. Ask around if something could be done from there for us as well.  Father would prefer that to Mexico. As soon as Betty Freitag knows more she will let us know.  Their climate is good and many people go there.  Your schoolmate Watzi Arzt? Is going to England;  Everybody is leaving and it upsets me greatly that we must stay; Belgium is not possible. Mrs Wetzler is a nice woman, and it is great we can be together with such people.  Warm greetings from Joh. Kossmann.


Left side comment re: clothes:
Or can Mrs Sichel keep it for you?
On Top: warm greetings Hede.  I loved the picture.  Next time more. 

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