Firmenbriefkopf Frankfurt, den 2. Juli 1939


Lieber Martin.

Dein Bf. 143 traf ein Tag zu spät ein. Am Montag war Herr Wetzler den ganzen Mittag bei uns und haben uns sehr mit ihm gefreut. Diese Woche wollen beide Herr und Frau Wetzler zu uns kommen und werde ich mit ihnen über den Grossbetrieb Familie Sichel sprechen und glaube, dass Herr Wetzler und ich, wir beide, uns gut eignen zum Kartoffelschälen und hätten wir beide ausgesorgt - billige Kräfte, wenn nur unser Futter herauskommt! Wie meint ihr dazu? Ich freue mich, dass Herr(n) Sichels Unternehmen solche Fortschritte macht.

Diese Woche komme (ich) nach Darmstadt und werde mal zu Lindauer´s gehen. An Marx Herz sowie an Udo werde vorerst noch nicht schreiben, will erst mal abwarten, bis Herr Wetzler in Belgien ist, da er hofft, auch für uns dorten (et)was tun zu können. Ich denke, dass er bald weg kann, da er jetzt vom belg.(ischen) Consulat aufgefordert wurde, seine nötigen Papiere einzusenden.

Dein Paket von dem dir im letzten Brief schrieb, kommt morgen zur Post. Von Siegfried wirst du inzwischen auch Nachricht aus Paris empfangen haben.

Am Dienstag erwarten die Mainzer und wollen Tante Selmas Geburtstag hier gemeinsam feiern. Denn wer weiß, ob sie jemals noch einmal zu sehen bekommen? Ich glaube, dass sie in 14 Tagen abreisen.

Von Salomon und Else hören Nichts; ich glaube, Else hat sich´s auch schöner gedacht. Hede lernt Englisch, Frau Kossmann näht Namen an meine Socken und lassen beide grüssen. Empfange noch einen herzl. Kuss v. d. Vater.

Wir machen jetzt ein Scat spielen (Skatspiel). Familie Gold lässt ebenfalls grüssen.



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