Firmenbriefkopf Frankfurt, den 26. Juni 1939

Lieber Martin.

In deinem Letzten Bf. bedankst du dich über die Krawatten, die du doch sicherlich noch nicht hast, da dieselben doch im Lift sind. Onkel Siegfried ist m Samstag über Paris, wo er sich einige Tage aufhält, nach England abgereist. Er versprach mir, dir von Paris aus zu schreiben, was dir Else für Überraschungen mitbringt; auch hat er dir noch vor seiner Abreise ein weißes Hemd geschickt, da es ihm doch zu eng wäre.

Gestern bekam ich von der Devisenstelle die Genehmigung dir nachfolgende gebr. Wäsche aus dem Bestande deiner verstorbenen Mutter zu schicken

3 Koltertücher mit Kissen

3 Betttücher 6 Servietten

6 Kissen 3 Kaffedecken

3 Bezüge 6 Paar Socken

6 Frottierhandtücher

6 Handtücher

3 Tischtücher und ich hoffe, dass die Sachen als Andenken an deine. l. Mutter gut in Ehren hältst.

Dies Paket geht im laufe der Woche ab.

Dein Bf. schließt mit den Worten „ lasst Euch nicht unterkriegen, es wird auch bei Euch mal klappen.“

Dafür habe diese Woche „Graf von Monte Christo“ gelesen, was sehr spannend war und auch mit den Worten schliesst „Warten und hoffen“. Dies werden wir auch tun.

Hugo Hirsch und Frau gehen am 4. Juli nach Rio.

Auch heute will dich nochmals ermahnen, lass dich von Else nicht anpumpen.

Gretel Mainzer und Mann sind diese Woche von Marseille nach Chile abgereist; ihre Eltern sind bei Heinz in Holland.

Herrmann Gottschall und Frau gehen auch bald zu ihrem Sohne Artur nach England, der einen guten Reiseposten hat. (Einschub) Arthur ist in Holland, und wollen später auch dorthin.

Onkel Max und Tante Selma werden Mitte Juli abreisen. Ihr Lift wurde letzte Woche gepackt. Ich habe dich schon einmal gefragt, ob du von Bertel dein Geburtstagsgeschenk erhalten hast, aber du hast hiervon nichts erwähnt. Sonst wüsste für heute nichts Neues. Sei noch herzl geküsst von d. Vater.


Auch von mir heute nur herzl. Grüsse, hoffe, dass Dir die Wäsche, die genehmigt wurde, Freude macht. Hebe sie gut auf! Du weißt, dass dies teure und wertvolle Andenken von Deiner verstorbenen Mutter sind, die man in Ehren halten muss. Die Socken sind gut und fein ausgesucht, alle M.(artin)M.(Marx) gez(eichnet). Wir sind alle so aufgeregt, dass so viele weggehen, und wir arme Sünder bleiben allein zurück.

Von Bretten hatten Nachricht: Meta hat die Papiere jetzt in Stuttgart und ist Tante froh, wenn sie weg ist, da Onkel sich immer noch nicht wohl fühlt Vergesse nicht, Tante Hans hat am 7. Juli Geburtstag. Wie wir hörten, ist Bertel als Kinderschwester, aber von Milwaukee habe noch gar nichts gehört; sicher können nichts Gutes schreiben; sei nur vorsichtig mit Else und Job und lasse Dich nicht von denselben sitzen; Else ist gefährlich und wie eine Freundin erzählt, erwähnen sie Sally gar nicht. Was macht die Kanone? Herzlichst Johanna Kossmann.



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