Firmenbriefkopf Frankfurt, den 18. VI. 1939


Lieber Martin

Ich komme auf den Schlusssatz deines letzten Bfs. zurück und hebe den Brief, der ohne Inhalt ankam, auf sowie das Couvert, wenn du es noch hast, da dir Siegfried L. von England Näheres schreiben wird. Wie ich gestern durch Frl. Elias hörte, ging der zweite Lift von Else nach Chicago und wollen sie sich anscheinend dorten niederlassen. Ich lege dir dringend ans Herz, dich nicht mit Ihnen einzulassen, weder bei ihnen zu wohnen, noch zu essen und vor Allem ihren kein Geld zu leihen, sonst geht dir´s wie mir. Deine sauer ersparten Doll. sollst du nicht an ihnen verlieren. Wenn sie dich jemals darum angehen sollten, so hast du keines oder du hast es fest angelegt, bis dein Vater und deine Schwester mal kommen können.

Gestern haben sich Siegfried Oppenheimer und Frau bei uns verabschiedet, da sie am Montag nach England gehen und erzählten u. a., dass sich Job mit Marcus Herz, Liesels Mann, associieren wollte mit seiner Vertretung, was er jedoch strickt ablehnte. Anscheinend suchen sie Jemanden, der ihnen helfen soll. Wenn sie Niemand finden, werden sie eines Tages auch mit diesem Ansinnen an dich herantreten, wozu dir entschieden abrate, da ich annehme, dass sie dich dann auch nur ausbeuten wollen, denn Else ist ein schlechtes Weib, der ich alles zutraue nur nichts Gutes. Ich halte dich für erfahren genug, dass du weißt, was du zu tun hast.

Ich schrieb dir jüngst wegen deiner Handschuh Nr., da Frl. Elias nächste Tage (Ende Juli) nach Chicago kommt und will sie dir doch was mit bringen. Auch schreibe mir, wenn du sonst was gebrauchen kannst, vielleicht Toilettartikel? Von Hanna hatte dieser Tage auch (Bf.), aber von Sal. und Else habe nur die Grüsse, die sie an deine Karte schrieben, erhalten. Hans schrieb, dass die Papiere für Alberts Frau unterwegs seien und hoffe ich, das sie auch mal fort kann. Auch war diese Woche am mexikanischen Consulat und wurde mir dorten gesagt, dass es mindestens 3 Monate dauern würde, bis du und dann auch sie hier von dorten Bescheid bekämen und, sobald du Bescheid hättest sollte (ich) nochmals vorsprechen. Für heute sein och herzl. geküsst von d. Vater. Grüsse von Hede und Frau Kossmann.



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