Firmenbriefkopf Frankfurt, den 2. Juni 1939


Lieber Martin

Eure gemeinsame Karte, die bis jetzt das einzige Lebenszeichen von ihnen war, sowie dein Bf. 140 empfing ich gestern. Ann alle, sogar an ihre Nähmädchen, schrieb Salomon und gaben genaue Reiseberichte, aber ich tröste mich auch damit. Allerdings haben die andern Leute auch kein Geld von ihnen verlangt und wenn man dies tut, macht man die Chattesem bös. Das Einzige, was von ihnen bekam, war ein Acker, den gestern soweit verkaufte für 3300 Mk, so dass doch noch ca. 19 Mille verlieren musste. Von all diesem haben sie dir nichts erzählt. Wie durch Schwarz hörte, haben sie sich bei ihm noch Geld gepumpt. „Dajesemm“?

Einliegend füge dir 2 Adressen bei, die Visen nach Cuba besorgten, der eine für 178 D, der andere für 180 D. Ob dies legal, oder illegal ist, weiss ich nicht. Der Herr, der mir dieselben gab, sagte mir, dass es bei der Regierung 178 D plus 17 Doll. Spesen kosten würde. Das übrigen verdienen die Leute, die das Visum besorgen. Du kannst ja mal an dieselben schreiben, aber sei vorsichtig, da ich auch hörte, dass viele Leute wieder zurück mussten, da die Unterschrift gefälscht war. Woher hasst du den Preis von 225 Doll. gehört? Am besten und sichersten wird es wohl sein, wenn du dich mit der Regierung in Cuba in Verbindung setzt; aber Mexico, wo mein Bruder Carl so lange lebte, wäre mir auch recht. Auf die (den) Schmuß von Else, dass sie mich heraus schaffen will, gebe gar nichts. Nach England zu gehen, halte ich zu teuer. Auch Max Levy wird nicht dahin gehen, da man hört, dass die Leute dorten 8 Monate länger warten müssten, als ihre Nr. an die Reihe käme und werden sie jedenfalls in Deutschland warten, bis sie an die Reihe kommen.

Bei Winters muss es ja eine grosse Feier gewesen (sein).

Hede geht ab Montag hier zu einer Frau Schild, die eine Pension hat und für 18 Leute kocht, um dorten kochen zu lernen. Sie soll mal einige Wochen hingehen.

Soeben habe Betty Freitag am Telephon gesprochen und sagte mir Carl hätte geschrieben, es kämen neue Bestimmungen für Cuba; es müssten pro Person 5000 D. sicher gestellt werden, auch sagte sie, dass es sehr schwehr sei, nach Mexico zu kommen. Am leichtesten sei nach Chile zu kommen, für 1000 Schweizer Frs.

Sei herzl geküsst von d. Vater



Dear Martin,
Your card - the only one from you two until now and your letter No.140 have arrived yesterday.  Salomon has sent detailed travel reports to all, including their seamstress, but I can live with that.  Of course, these people did not ask him for their money back, for when you do this, you make him angry.  The only thing I ever got from them was the land which I managed to see for 3300Mk, so I only lost 19 K.  They have not told you any of this, I gather.  As I heard from Schwarz they wanted to borrow money from him as well.
Enclosed find 2 addresses of people who had arranged for Cuban visas; one for 178 dollars, the other one for 180.  No idea whether this is legal or illegal. The man who gave these to me said the government would charge 178 D plus 17 dollars for per diem.  The rest goes to those who got the visas.  You could write to these people, but be careful as I also heard many people were sent back as the signatures were fake.  Where did you hear about the price of 225 dollars?  The best and most secure way would be for you to turn to the Cuban government; but Mexico, where my brother carl lived so long would be alright as well.  Else’s promise that she would get us something means nothing to me.  England is too expensive.  Max levy will not go there either, as we hear, the people there must wait 8 months longer until their number comes up, and so they, too, want to wait in Germany for their turn.
It must have been a great party at Winters.  Hede will go to a certain Mrs. Schild, starting Monday; this woman has a Pension and cooks for 18 people, and Hede learns with her to cook.  She will do so for a few weeks.
I have just spoken to Betty Freitag on the phone who said Carl wrote that for Cuba, there are new rules; 5000 dollars/person must be secured and she also said Mexico is very difficult to get into. Chile is still the easiest, for 1000 Swiss Francs.
Warm kisses from your father.

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