Firmenbriefkopf Frankfurt, den 23. Mai 1939


Lieber Martin

Vergebens warte auf Nachricht von dir und hoffe jedoch bald von dir zu hören. Letzte Woche waren in Mainz, wo ich Familie Wolf aus Nierstein sprach, die jetzt auch in Mainz wohnen. Sie gehen auch bald nach Cuba. Ihre Tochter Liesel hat ihnen die Visen geschickt und sollst du dich mal mit ihr in Verbindung setzen, damit du alles Nähere erfährst. Ihre Adresse ist: Liesel Wolf 617 West 113 Str. N.Y. City.

Die Reise von hier nach Cuba kostet einschl. Mk 340 Bordgeld für 2 Personen ca. Mk 2200 .- wie Wolfs von der Hapag erfuhren. Bei Liesel kannst du ja mal fragen, was sie für ihre Eltern zahlen musste. Ob ich mit Hede auf ein Visum gehe, da sie volljährig ist, ist fraglich. Du musst dich genau erkundigen!

Die Mainzer hoffen baldigst ihre Pässe für Engl. zu bekommen; ob sie aber dorthin gehen, wird sich nächste Tage erst entscheiden, da man hier hört, dass die Leute, die in England seien, länger mit ihrer Wartenummer warten müssten, da die Leute, die noch hier sind, rascher an die Reihe kommen sollten. Wenn dem so sein sollte, würden sie nach Wiesbaden in eine Pension gehen und dorten abwarten, bis ihre Nr. an die Reihe kommt. Ihr Lift wird nächste Woche gepackt und nach Louisville abgefertigt.

Hans schrieb auch, dass ihre Sache nach Paris ins Rollen käme; für Alberts Frau hat sie an 2 verschiedene Leute geschrieben und will sehen, ob sie was erreicht. Von Salomon und Gen(ossen) habe noch nichts gehört; an verschiedene Leute haben sie schon von U.S.A. geschrieben; so machen´s die Lumpen, wenn sie den Leuten Geld schuldig sind. Die Überweisung von Erich, London, wird sich noch etwas verzögern, bis sein Onkel bei ihm ist; aber deshalb kannst du doch den Auftrag von Lore ausführen. Siegfried Levy geht auch im nächsten Monat nach England. Ich wünsche dir vergnügte Feiertage und sei noch herzl. geküsst von d. Vater.



Dear Martin,
I have been waiting for a letter from you in vain; hope to hear from you soon.  Last week we were in Mainz where I spoke to the Wolf family of Nierstein; they also live in Mainz now.  They, too, are going to Cuba soon.  Their daughter Liesel sent them the visas; you should get in touch with her, so you find out all details.  Her address is: Liesel Wolf 617 West 113 Str. N.Y. City. 
The trip from here to Cuba costs 340 Marks – boarding about 2200 Mk for 2 people – as the Wolfs had learned from Hapag.  You can ask Liesel how much she had to pay for her parents.  Whether I can share the visa with Hede who is now an adult, is questionable.  Find out!
The people in Mainz hope to get their passes to England soon; but whether they actually go there will only be decided in a few days, as we heard that people who are already in England must wait longer with their numbers, than people who are still here; these will get their turn faster.  If this is indeed the case, they would move to a bed & breakfast in Wiesbaden and wait there until their number comes up.  Their things will be packed next week and shipped to Louisville.
Hans, too, wrote that their going to Paris is now on the roll. She wrote to 2 people on behalf of Albert’s wife and will see, what will happen.  I have not heard from Salomon yet, although I know they wrote to different people in the U.S.A. That’s what happens when people owe money.  The transfer from Erich of London will take some time, until his Uncle is with him; but you can still take care of Lore’s papers.  Siegfried Levy, too, goes next month to England.  I wish you happy holidays and warm kisses from your  father.

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