Firmenbriefkopf Frankfurt, den 15. Mai (1939)

Lieber Martin.

Wie aus deinem Bf. entnehme, glaubst du auch nicht, dass wir nach Belgien können und haben wir, sowie die Familie Gold, die bei uns wohnt, uns entschlossen nach Cuba zu gehen. Für Fr. K. erhältst du ca. 150 D(ollar) durch Erich Koch aus London, das übrige soll die Cousine von ihr, der du hierfür nochmals energisch schreiben musst, beisteuern. Für den Lebensunterhalt dorten soll ja wie man höft, das Hilfskomitee in C.(uba) beisteuern. Auch wirst du in den nächsten Tagen einen Bf. von Golds Tochter Lore empfangen, den du gleich erledigen musst. Ich habe diese Woche auch Erich gesprochen und frug er mich ach deiner Bankverbindung, da er seine Schuld bei dir abtragen möchte. Er verdient jetzt schönes Geld in London und sei jetzt hierzu in der Lage. Ich versprach ihm zu schreiben, sobald du mir deine Bank aufgegeben hast; die du mir gleich nach Erhalt d(iese)s angeben musst.

Die Schiffsplätze kann erst nach Erteilung der Einreise belegen. Wenn du die Visen besorgst, so erkundige dich in U.S.A. (ob) im Falle Cuba von hier aus gesperrt ist, ob mit diesen Visen dann über New Y(ork) fahren können, damit dieses Geld nicht umsonst ausgegeben wird. Wenn du hierüber genaueres weißt, so unterrichte auch sofort Lore Gold hiervon.

Soeben komme von der Schiffahrtsges.(ellschaft) Und sagte mir das Gleiche. Hans Strauss von Dreieichenhain war heute Mittag bei uns und fährt heute Abend nach Hamburg und will sich beim dortigen Consulat für mich erkundigen. Sobald Näheres höre, gebe dir Nachricht. Selbst wenn heute die Einreise erledigt habe, gehen doch immer noch einige Monate darauf, bis hier alle Formalitäten erledigt sind.

Gina schrieb, dass sie aufs Comittee bestellt wurde, und glaubt sie, dass man vielleicht für 2-3 Monate die Aufenthaltsgenehmigung bekommen könnte, was ja für uns keinen Zweck hätte.

Hast du eigentlich dein Mitbringsel von Berthel bekommen? Ich habe dich schon einmal danach gefragt, aber ohne Antwort. Salomon und Gefolge wirst du inzwischen gesprochen haben. Herzl. Gruss und Kuss v. d. Vater.


Lieber Martin! Wir sind den ganzen Tag mit der Idee Cuba befasst; es ist nötig; wir hoffen, dass es bald doch mal günstig für uns sein wird. Wir wollen mit Golds zusammen dann drüben einen Haushalt führen und ist die Ehe mit denselben eine glückliche und zufriedene, wird es so bleiben. Eben ist es ruhig bei uns, obwohl immer Besuch haben. diese Woche war abends Robert Kramer mit Frau da, es war sehr gemütlich. Sollen Dich grüssen; er geht bald nach England. Seine Frau kommt was später, bis der Junge in seiner neuen Umgebung eingelebt ist; wir haben oft gelacht. Heute hatten Brief von Tante Hans, sucht Bürge für Alberts Frau und Kinder; sie kann das tolle Leben nicht mehr vertragen; kannst Du was tun in der Sache? Donnerstag fahren nach Mainz, das wird auch bald vorbei sein. Sonst sind gesund. Herzl. Gruss Johanna Kossmann.



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