Firmenbriefkopf FfM 7. Mai 1939

Lieber Martin

Dein Bf. Nr. 137 traf gestern ein und entnahm, dass Ihr Justins Geburtstag schön gefeiert habt; auch ich gratuliere ihm noch nachträglich und wünsche ihm, dass seine Eltern zu seiner nächstjährigen Feier dabei sein können.

Wie du schriebst, wollen Job und Salli Lampen verkaufen, die sie von Belgien einführen wollen. Ich glaube, dass sie diese durch ihren Vetter Stern, der in Holland ist und bei dem Job auf seiner Hinreise 8 Tage war, beziehen. Wenn dies einschlagen sollte, so sei vorsichtig und lass dir erst ihre Originalrechnungen (?) vorlegen, woraus du die Preise ersehen kannst, damit sie nicht dir auch noch einen Aufschlag rechnen, oder sich beim Lieferanten eine Provision aushalten; denn ich traue Salli alles zu. Vor allem gib deine Stelle nicht eher auf, bis du siehst, ob dies auch hinreichend rentabel ist. Und Else ist noch gefährlicher.

Ich weiß nicht, ob du von dem neuen Gesetz gehört hast, das jetzt herauskam, dass Juden nicht mehr in arischen Häusern wohnen dürfen, sondern nur noch in jüd. Häusern und so viele sind doch nicht mehr da. Dies wird schwe(h)re Folgen nach sich ziehen Es wäre wohl gut, wenn wir jetzt auch bald heraus könnten, um uns unseren Aufenthalt in einem Überbrückungsstaat zu sichern; (ge)hört doch vieles Geld dazu, das vorher dorten sicher gestellt sein muss.

Wende dich mal an Max Herz und Udo und sage jedem, dass er mir ca. 3000 Doll. hierzu leihen soll. Oder hältst du es für besser, wenn ich mich direct an sie wenden soll ? Ich müsste dann Udo´s Adresse von dir haben. Sprich auch nochmals mit Justin, ob seine Eltern nicht schon jetzt was für uns tun können und sage ihm, dass für unseren Unterhalt gesorgt sei. Wenn eben gar keine Möglichkeit ist, nach Belgien zu kommen, dann hätte durch einen Bekannten von Tante Hilda aus B. Gelegenheit, nach Cuba zu kommen. Lieber ginge nach Belg.

Job hatte mir versprochen, er würde mit Max Herz sprechen, aber ich glaube, dass Else dies nicht zugab. Also s(i)eh mal zu, dass du von irgend einer Seite, das hierzu nötige Geld geliehen bekommst. In Erwartung einer günstigen Nachricht, grüsst und küsst dich herzl. dein Vater.


Dear Martin,
Your letter No. 137 arrived yesterday and I can see you had a great birthday party for Justin.  I send him my congratulations after the fact and wish that next year his parents can be with him at his next party.
As you wrote, Job and Salli want to sell lamps that they would import from Belgium. I believe they would get these through their cousin Stern from Holland; Job spent 8 days with him on his trip to the USA.  If this were to work out, be careful and let them show you the original bills, so that they do not charge you extra, or take a provision for the delivery for themselves; for I can imagine anything when it comes to Salli.  Especially, do not give up your job until you can be sure that it is well worth it.  And Else is even more dangerous.
I am not sure whether you’ve heard the new law: Jews are no longer allowed to live in Aryan houses, only in Jewish ones, and there are not that many left.  This will have terrible consequences.  It would be great if we could get out now, and stay for the transition in another country.  But it costs a lot and that money has to be first secured.
Talk to Max Herz and Udo and tell each of them that they should lend me 3000 dollars for this purpose.  Or do you think I should ask them directly?  In that case I would need Udo’s address.  Talk to Justin’s parents once more, whether they could do something for us and let them know that our stay is already covered.  If there is absolutely no chance to go to Belgium, then an acquaintance of Aunt Hilda from B. has a possibility to go to Cuba.  But I would prefer Belgium.  Job promised to me to speak to Max Herz, but I believe Else did not let him.  So, look after that you can get that money from somewhere as a loan. Hoping for good news, warm greetings and kisses from you father.
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