around May 5, 1939




Firmenbriefkopf

Lieber Martin!

Du bekommst den Brief später; durch den Trubel diese Woche kamen zu gar nichts. Dass uns mit Tante Hans und Onkel Josef freuten , ist ausser Zweifel und (sie) fühlten sich sehr wohl bei uns, wir schliefen 6 Personen in 3 Zimmern, aber es geht alles. Tante hat versprochen, bald wieder zu kommen; unsere Mitbewohner sind solch liebe nette Menschen, dass uns die Familie Salmon in dieser Hinsicht nicht fehlt. Es tat mir furchtbar leid, dass der Zwist kam, aber wenn einer dem anderen Geld schuldet und es wird verlangt, dann hört die Freundschaft auf. Aber Du kennst deine Cousine Else; das ist eine unverschämte Frau. Ich habe mich mit ihr entzweit; solche Gemeinheiten lasse ich für deinen Vater nicht gelten; sie wollte uns dahin bringen, wohin wir alle gehörten.

Am Dienstag abend kamen Lotte May und Flora Landmann zum Abendessen. Lotte ist in einem Heim und Flora besuchte sie; es war recht gemütlich. Auch Tante Hilda war noch ein paar Tage hier; es war Hochbetrieb und ist uns allen die Ruhe ein bischen zu gönnen.

Else hat sich mit Siegfried Oppenheimer auch verworfen und sind wir es nicht allein! Jetzt haben noch tüchtig Besuche zu machen, vorerst zu Kaufmann´s in die neue Wohnung. Julius Kahn´s wollen auch nach England, aber ihre Nr. ist nicht so hoch als die Unsrige. Was hast Du mit Job besprochen?

Die Bildchen sind fein, unsere andere(n) von G(ross)G(erau) ist alles alle abhanden gekommen.

Endlich ist es heute besseres Wetter, denn in den letzten Tagen, war es sehr kalt. Sonst nichts Neues; recht herzl. Grüsse, wollen schon sehen was man Dir erzählt.

Deine Johanna Kossmann.



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