Firmenbriefkopf Gross-Gerau, den 5. Mai 1939


Lieber Martin

In deinem letzten Brief freust du dich, dass mit Salomon wieder einig sind, aber leider kam es doch vor dem Auseinandergehen nochmals zu einem unerfreulichen Zwischenfall. Nachdem Ihre Sachen im Lift verpackt waren und sie keine Schlafgelegenheit mehr hatten, schlief Sa(lomon) einige Tage bei uns. Am Dienstag vor dem (bevor) S. nochmals in ihre Wohnung ging, sagte (ich) ihm, er solle mir die 2 Schriftstücke, die Job für mich schrieb, mitbringen, was er auch zusagte. Als er am Mittag zurückkam, brachte er jedoch nur die Vollmacht zum Verkauf des Ackers, der an mich abgetreten, mit. Als (ich) ihn nach dem 2ten Papier fragte, womit mir Job Mk 1300, die sie von der Feldbereinigung bekommen hatten, abgetreten hat, gab mir Sal. Ruhig zur Antwort: „das Geld haben wir bekommen und auch verbraucht.“ Dass da nicht ruhig bleiben konnte, kannst du dir wohl denken. Worauf er gleich meine Wohnung verliess und die letzten 2 Nächte bei den Saulheimers schlief.

Von meiner Forderung von 22 Mille habe Mk 500 eingenommen und den Acker, der im günstigsten Falle 3 Mille einbringen kann, so dass ungefähr 19 Mille verlieren muss. Ich denke, dass du jetzt im Bilde bist, wenn du sie sprichst. Aber trotzdem bin gestern ge- gen Abend hin und habe mich verabschiedet von allen „denn wer weiß, ob wir uns wieder sehen?“.

Hanna und Ruth haben gestern Mittag nochmals mit uns zu Mittag gegessen und Ruth habe zum Abschied 1 P. Glacée Handschuhe gekauft. Hanna und Ruth habe geraten, nicht mit Else zu gehen, sondern in N. Y. zu bleiben, was sie auch tun wollen. Denn sie können sich ja doch nicht vertragen.

Die Brettener waren von Samstag bis Dienstag bei uns, auch die Mainzer waren am Dienstag bis 10 Uhr Abends bei uns.

Salomon und Else wirst du ja am Bahnhof treffen. Sie wollen sich in N.Y. einige Tage aufhalten. Morgen, den 6. V. geht ihr Schiff (Europa) in Bremen hab. Grüsse alle von mir und sei du herzl. geküsst v. d. Vater.

Oben: Herzliche Grüße Hede.

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