Firmenbriefkopf Frankfurt, den 11. April 1939

Lieber Martin

Dein Bf. 134 fängt mit dem Wetter an, so soll auch der Meinige heute anfangen. Wir hatten über die Feiertage wunderschönes Wetter und treiben die Bäume Knospen und alles wird grün; nur mit dem Unterschied, dass bei Euch jetzt das Geschäft wieder einsetzt, während es für uns schon längst ausgesetzt hat. Wie auch Job schrieb, habt Ihr euch gesprochen und wirst du jetzt über alles im Bilde sein. Job wird doch demnächst nach Chicago kommen und will auch mit Max Herz sprechen wegen der Unterstützung für uns zur Überbrückung; denn nach meinem Dafürhalten ist es doch für dich alleine zu viel, wenn wir vielleicht 3 Jahre in Engl. oder sonstwo sein müssen. Oder meinst du eine Unterredung von Job mit Max H. hätte keinen grossen Werth? - aber schaden kann es auf keinen Fall.

Morgen fahre nach Klein-Heubach zwecks Rücksprache und will hören, wie es diese Leute erreicht haben nach Belgien zu kommen.

Seeder habe mit unseren Hausleuten gegen (gegessen) und war es sehr schön.

Hilda und Alex kommen am Donnerstag vor Ostern und gehen morgen, Mittwoch wieder nach Hause.

Letzte Woche erhielt einen Bf. von Alice wegen Unterstützung der Bernburger. Dieser kam doch nur im Auftrag von Berthel und Curt, damit sie sich schöne Tage machen können und ich mich verbluten kann. Ich werde Alice erst antworten, wenn Salomon drüben ist, damit ich auch berichten kann, was alles einbüs(s)en müsste und auch an Salomon und Else verloren habe und weiß doch nicht, wie lange ich noch hier bin. Denn ich wüsste Niemand, der mir helfen würde. Kurt, Berthel und Walter haben wöchentlich zusammen 50 Doll. und müssen sie hiervon ihre Eltern miternähren. Sie sollen eben weniger saufen. Ich will ihr trotzdem zum Abschied was geben. Herzl. Gruss und Kuss von d. Vater.


Oben: Hast du eigentlich dein Mitbringsel von Berthel schon erhalten?


Dear Martin,
Your letter No 134 started with talking about the weather, and so will mine today.  We had beautiful weather over the holydays, everything is becoming green and the trees are budding; the only difference being that where you are, business begins anew, while here, nothing is happening.  Job wrote that the two of you have spoken, so you must know what’s going on around here.  Job will soon go to Chicago and wants to speak to Max Herz about our support, at least temporarily.  For I think it would be way too much of a burden for you to finance us, possibly for three years, in England or elsewhere.  Or do you think it would be pointless for Job to talk to Max H.?  Well, anyway, it cannot hurt.
Tomorrow I am going to Klein-Heubach to find out how these people have managed to get to Belgium.  We have eaten for Seder with our tenants – it was very nice.
Hilda and Alex are coming on Thursday before Easter and leave next Wednesday.  
Last week I received a letter from Alice asking that I support the Bernburger. Berthel and Curt have put her up to it, so they can enjoy their lives while I can bleed to death.  I’ll respond to Alice only once Salomon is over there, so I can report what I had to put up here with, and that I’ve lost money on Salomon and Else, and have no idea how long I have to stay here. For I know nobody who would help me. Kurt, Berthel and Walter have together 50 dollars/week, and so their parents must help them from here to have enough to eat.  Perhaps they should drink less…  I will give some thought as a farewell gift.  Warm greetings and kisses from your Father.
On top: Have you actually received the package from Berthel?
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