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Frankfurt, Eref(v)-Pessach 3. 4. 1939

Lieber Martin

Dein Bf. 133 traf schon nach 9 Tagen hier ein und freue mich wie immer, dass du gesund bist, wie auch wir. Du meinst immer, es sei so leicht nach Belgien zu kommen, aber dem ist nicht so. Der Bruder von Frau Kossmann, der nach Bolivien über Belgien will und seine Geschwister alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, kann zu keinem Ziel kommen. Ich will mich jetzt mal mit Wetzler Klein Heubach in Verbindung setzen; evtl. fahre mal hin, wenn sie nicht nach Frankfurt kommen. Dein Freund Ken Porter ist doch arisch, dem möchte doch gerne mal ein grösseres Paket schicken, da er doch immer so aufmerksam zu dir ist.

Was Marxens und Nachmanns betrifft, so sind längst wieder einig, da sich Else wieder entschuldigt hat. Was die Bezahlung ihrer Schulden bei mir betrifft, so habe einen schlechten Glauben, denn sie hängen anscheinend ihre letzten Groschen an den Staat; sie werden nicht fertig mit Neuanschaffungen. Es darf doch auch nichts fehlen. Die Steuerfahndung war am Freitag bei Ihnen und hoffen sie bis Ende des Monats zu packen und Anfang Mai zu fahren.

Heute Abend sind bei unsrem Mitbewohner zum Seeder und Essen tun für uns; wozu Siegfried Levy einluden, der letzte Woche seine Papiere für England erhielt.

Ich hoffe, dass die Mainzer an Jontef zu uns kommen. Ich weiss nicht, ob dir schon mal schrieb, dass sich die Volksbank für mein haus interessiert, sie hat 16 Mille geboten und hoffe, dass wir auch einig werden. Sonst weiss Nichts für heute. Sei herzl. gegr. und geküsst von deinem Vater.


Gestern waren mal bei Siegfr(ied). Oppenheimer; die gehen bald nach England, denn Evchen ist am Mittwoch mit einem Kindertransport weg. Jeder ist aufgeregt, bis er zum Ziel kommt; alles geht mit viel Hindernissen.

Marx sind bald so weit, aber Else ist keine feine Frau deinem Vater vis à vis; sie möchte ihn auf alle Arten beschu(l)mmeln, wir sind trotz allem die besten Freunde. Seit 1 Jahr hat sie eine neue Freundin; wir denken alle á la Frau Schauer; jeder spricht darüber, wenn Du Job sprichst, wird er von einer Frl. Elias erzählen; diese geht mit Ihnen nach Milwaukee, ist etwas verwandt mit Aug(ust) Hirschs - so bist Du dann im Bilde.

Gebt Ihr auch Sether? Ich sagte eben an Vater, dass ich das Jomtof Gefühl hier gar nicht so aufbringen kann, wie in G(ross)G(erau); sicher ist uns alles noch so fremd!

Vater hat sich in der Synagoge einen Platz gemietet, denn die Auswahl von Synagogen ist nicht gross. Er geht nach der „Unter Linden“.

Gestern waren am Main spazieren, solch schönes Wetter haben jetzt. In(?) Worms müssen am 1. Mai aus der Wohnung, denn das Haus ist verkauft.

Verbringe die Zeit recht angenehm! - die herzl. Grüsse und Küsse v. Joh. Kossmann

Dear Martin,
Your letter No 133 has already arrived within 9 days and it always makes me happy to know that you are healthy, just like us.  You think it is so easy to get to Belgium, but it is not.  Mrs Kossmann’s brother who wants to get to Olivia via Belgium, and his siblings have tried everything, but to no avail.  No I want to get in touch with Wetzler Klein of Heubach; I’ll go see them if they don’t come to Frankfurt. Your friend, Ken Porter, who is an Aryan; I would like to send him a larger packet, for he is always so considerate with you.
As far as the Marx’s and the Nachmann’s are concerned, we have made up long ago, as Else had apologized again.  Whether they will actually pay me what they owe me, I have a bad feeling about that, as they present their last penny to the state: they cannot stop buying new things.  Nothing must be missing.  The taxman visited them on Friday, and they hope to be done with the packing by the end of this month and leave at the beginning of May.
Tonight our tenants are giving a Seder meal.  Siegfried Levy has been invited to this; he received his papers for England last week.
I hope the people from Mainz will come over for Jontef.  I don’t know if I have already mentioned but the Volksbank is interested in buying my house for 16K; hope we’ll have a deal.   Otherwise, nothing new.  Warm greetings and kisses from your Father.
Yesterday we visited Siegfried Oppenheimer; they are soon going to England; Evchen is already gone on Wednesday with a children’s transport. Everybody is nervous until they arrive; all this is happening with a lot of obstacles. The Marx’s are soon going, but Else is really not nice with your father; she wants to trick him in all possible ways; but we are bestest friends. For one year, she has had a new girlfriend, à la Mrs Schauer; everybody is talking about them; if you speak to Job, he will tell you about a Miss Elias; she is going with them to Milwaukee, is somehow related to August Hirsch – you get the picture.
You too have Seder? I’ve just said to Father that I cannot bring up any Jomtof feeling here, like in GG; it is all so strange for us here.  Father has rented a seat in the Synagogue, as there aren’t many around here. He goes to the one “Unter Linden.” 
Yesterday we went for a walk to the Main; we have very beautiful weather now.  The people in Worms must move May 1; their house is sold.
Have a great time! Warm greetings and kisses from Joh. Kossmann. 

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