Firmenbriefkopf, Frankfurt, den 20. III. 1939


Lieber Martin.

Dein Bf. vom 7. März traf heute ein und schreibst du immer wieder wegen Frau Kossmann nach Belgien. Dies ist heute nicht mehr möglich, - nur zur Durchreise und da nur für 3-4 Wochen.

Von Jacob habe gestern ein(en) Bf. mit Certificat bekommen und will ich morgen an das franz. Consulat gehen und die nötigen Papiere holen.

Aber auch dorthin zu kommen, ist sehr schwer; wir müssen eben hoffen und abwarten. Job war vielleicht schon bei dir oder hat dir von drüben geschrieben.

Salomon und Gefolge werden Ende April fahren.

Dass Bertha von Zürich Schwierigkeiten für ihre Reise hat, ist mir unbegreiflich. Letzte Woche hatten Kaufmann und Siegmund Strauss mal wieder nächtl.(ichen) Besuch, aber die Übeltäter sind gefasst und hinter Schloss und Riegel gekommen. Kaufmanns ziehen auch bald hierher.

Heute war in Homburg am Gericht, wegen er Sache Weil und hoffe, noch diese Woche mein Geld zu bekommen (2500); die Schuld war 3500 .–

Siegmund Mayer in Worms hat sein Haus verkauft und hofft, bald nach Bolivien zu kommen mit seiner Frau und von dorten nach Buenes Aires zu seinem Schwager. Heute ist Siegfried Oppenheimer Enkelchen (Evchen) nach England. Am Mittwoch fahre mal nach Gr. G(erau), da noch verschiedene Kleinigkeiten zu verkaufen habe; bin seit Wochen nicht mehr dorten gewesen und zieht einem auch nicht mehr hin.

Der jüd. Friedhof sollte erst verkauft werden, bleibt aber jetzt doch noch.- Wer weiß, wie lange!!

Sonst weiß für heute Nichts zu berichten. Grüsse alle Bekannten und Verwandten von mir und sei du herzl. geküsst v. d. Vater.


Recht herzliche Grüsse – wir sind gesund , aber trotzdem haben wir noch kaltes Schneewetter. Vater und meine Wenigkeit gehen täglich spazieren damit das Essen besser schmeckt. Wir haben sehr nette Leute bei uns wohnen und sind wie eine Familie, ist dies sehr angenehm. Gruss Johanna Kossmann



Dear Martin,
Your March 7th letter has arrived today and you keep writing about Mrs Kossmann to go to Belgium.  This is no longer possible – only for transiting and only for 3-4 weeks.  I got a letter from Jacob yesterday with a certificate; tomorrow I am going to the French consulate to get the papers.  But even going there is very difficult; we must hope and wait.  Perhaps you have seen Job meanwhile or he wrote to you from over there.
Salomon and family will travel end of April. That Bertha from Zurich has problems with their travel I cannot understand.  Last week Kaufmann and Siegmund Strauss had again “visitors” in the night, but the criminals were caught and locked up.  The Kaufmann’s will move here soon as well.  Today I was at court in Homburg, because of the issue with Weil and hope to get my money this week (2500); they owed me 3500… Sigmund Mayer in Worms sold his house and hopes to get to Bolivia with his wife soon and from there to Buenos Aires to his brother-in-law.  Today Siegfried Oppenheimer’s granddaughter (Evchen) moved to England. Wednesday I drive to Gr. Gerau, for I still have to sell some small things; I have not been there for weeks and do not feel like going at all.
The Jewish cemetery was for sale at first, but now it stays – who knows how long!!  Otherwise, there is nothing new to tell.  Give my greetings to all and warm kisses for you from your father.
Warm greetings – we are healthy, but it is still cold and we have snow.  Father and I go for walks daily, so the food tastes better.  We have very nice people living with us, so that we feel like a family – which is very pleasant.  Greetings Johanna Kossmann

Comments