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Firmenbriefkopf

Frankf. , den 5. März 39


Lieber Martin

Bf. 129 traf heute morgen ein und sollst du gleich Antwort haben. Wie ich daraus entnehme, seid ihr drüben genau im Bilde. Wir müssen jetzt Gold und Silber an das Pfandhaus abliefern und bekommen für 1 gr Silber 2 ½ D?, was für das Gold bezahlt wird, weiß ich noch nicht. An Silber darf pro Person 1 Löffel, 1 Messer, 1 Gabel, 1 Kaffeelöffel behalten und 200 gr Kleinsilber, wovon 1 Stück nicht mehr als 40 grm wiegen darf. An Gold nur den Trauring und 1 Silb.(erne) Taschenuhr oder Armbanduhr. Über all dies bin getröstet und wünschte nur raus zu kommen.

Du meinst, ich könnte mit Hede Haushalt führen; dies ist ein Unding. Ich habe ihr schon die besten Worte gegeben, sie solle kochen lernen, aber alles umsonst. Ausserdem kann Frau Kossmann nicht nach Belgien, da sie die Genehmigung höchstens für 3 Wochen bekommen kann, wie ihre Tochter sagte.

Ich dachte, wir könnten eine Pension aufmachen und uns damit ernähren und Hede dabei beschäftigen, vor allem, bis sie mal die Sprache kann.

An Jacob habe vor 8 Tagen geschrieben, und warte noch auf Antwort. Bäcker Altmeyer von Flörsheim, der jetzt auch hier wohnt, geht am Mittwoch nach Paris und gab ihm die Adresse von Jacob und will er mit ihm sprechen, was er in dieser Angelegenheit zu thun hat.

Mit Salomon und Else stehe z. Z. auf gespanntem Fuss; denn Ihr ganzes Benehmen geht darauf hinaus, dass sie mir von ihrer Schuld bei mir nichts oder sehr wenig bezahlen wollen und darüber habe etwas Krach geschlagen und spielen sie natürlich die Beleidigten. Wie dies bei allen Chattesim der Fall (ist), wenn man Geld fordert. Ich schreibe dir dies, damit du im Bilde bist, wenn du Job sprichst. Du brauchst ja mit ihm nichts darüber zu sagen, wenn er nicht mit dir (davon) anfängt.

Die Bilder finde ganz gut. Hast du diese mit der Contax von Bertel aufgenommen?

Herzl. Gruss und Kuss v. d. Vater. Grüsse alle Verwandten.



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