Firmenbriefkopf FfM, den 27. II. 1939


Lieber Martin.

Dein Bf. 128 traf gestern ein. Betr. der Einreise nach Belgien habe dir im letzten Bf. geschrieben, dass dies nicht möglich ist; dorten kann man nur hin, wenn man 750.000 Frs. bei einer Bank deponiert. Ich habe letzte Woche doch mal an Jacob geschrieben, ob er eine Familie hat, die uns nach dorten einladen und sich für unsren Lebensunterhalt verbürgen würde.; natürlich schrieb ihm, dass du hierfür aufkommen würdest. In Frankreich ist ja der Lebensunterhalt bedeutend billiger wie in Eng.(land)und Belgien, da der Frc. doch sehr nieder steht. Ich will sehen, was Jacob schreibt. Ich habe wenig Hoffnung.

Am Samstag, den 25. II., hatte Margot Hochzeit und übermorgen reist Tante Sophie nach U.S.A. ab. Salomon und Gefolge sind heute nach Stuttgart.

Du schreibst immer, „macht, dass Ihr fort kommt!“; Du stellst dir das leichter vor und ist doch so schwe(h)r und wird von Tag zu Tag schwerer. Ich werde dir jetzt als mal öfter von deiner Wäsche, die du noch hier hast, als Pfundpakete zuschicken, wie dies auch Levy´s mit Ernst´s Wäsche machen. Hoffentlich kommt alles auch (gut an) und du hebst deine Sachen auch auf!

Heute bekommen wir den Secretair, der im III. Stock stand und die Kommode von Tante Hannchen vom Schreiner gebracht, der sie frisch poliert und zurecht gemacht hat; es wurde alles sehr schön und freuen uns auch heute damit.

Gestern waren in Mainz und kamen um 12 Uhr zurück. Wo diese Übergangsstation machen, ist auch noch unbestimmt. Frau Kaufmann war über Samstag bei uns und ihr Mann kam heute, assen bei uns und fuhren heute Abend nach GG zurück.

Für heute sei noch herzl. geküsst von deinem Vater.

Frau Kossmann putzt den Secretair eben aus und räumt denselben ein ; deshalb zum Schreiben verhindert.

Hede und Frau Kossmann lassen grüssen.


Dear Martin,
Your letter No 128 arrived yesterday.  Regarding Belgium I wrote to you in my last letter that this was impossible.  You can only go there if you can deposit 750,000 Franks in their bank.  I wrote to Jacob last week, if he knew a family that could invite us and sponsor our stay there; Naturally I wrote to him that you’d pay for it.  Life is significantly cheaper in France than in England or Belgium, as the Franc is much lower in value.  We’ll see how Jacob responds.  I have little hope.
Saturday, Feb 25 Margot had her wedding and the day after tomorrow Aunt Sophie is leaving for the U.S.A. Salomon and family are today in Stuttgart.
You always write: “get out of there as fast as possible!” You seem to imagine this is simple, but in fact it is very difficult and will become even more so with each day.  I will send you your clothes in small packages, like the Levy’s do with Ernst’s things.  Hopefully all that will arrive safely and you take good care of your things.  Today we got our secretaire that used to stand on the third floor, and a chest of drawers from Aunt Hannchen back from the carpenter, freshly polished and fixed.  It looks great and we are happy with it.
Yesterday we were in Mainz and returned only at midnight.  It is not decided where they will stay before emigrating.  Saturday Mrs Kaufmann came and today her husband; they stayed for supper and then returned to GG.  Warm kisses from your father.
Mrs Kossmann is busy cleaning and filling the secretaire so she cannot write today.  Hede and Mrs Kossmann send their greetings. 

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