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Lieber Martin Frankfurt, den 6. Februar 1939


Dein Bf. Nr. 125 traf heute ein und sollst du auch gleich Antwort haben. Betr. Belgien habe seit meinem letzten Schreiben noch nichts gehört, hoffe aber im Laufe dieser Woche, was zu erfahren. Ihr stellt Euch dies alles so leicht vor und ist doch so schwe(h)r. Auch von Lee´s Bemühungen verspreche mir nicht viel; aber um so mehr würden wir uns freuen, wenn er Erfolg hätte. Nach Trinidad habe vorerst keine Lust, wenn es aber nicht anders geht, gehen auch dahin. Glaubst du, dass von dort aus weiter können ? Du musst immer daran denken, dass wir kein Geld haben und nur auf dich und die Hilfe Anderer angewiesen sind. Ich habe dich schon des Ofteren gefragt, ob du mit Onkel Max mal darüber gesprochen hast, ob er dir was beisteuert, was doch für ihn ein Leichtes ist. Sonst weiss dir heute wenig zu berichten.

Heute ist Max Guckenheimer , der Bruder von Sannchen Schott beerdigt worden. Friedel Schott ist immer noch hier und hofft bald fort zu kommen. Gustav Hirsch von G(ross-G(erau) hat heute auch hier gemietet und sind jetzt bald alle Gerauer hier.

Gestern waren Selma und Max bei uns und blieben bis 10 Uhr. Es war sehr gemütlich. Diese Woche haben sie ihren Lift bestellt und werden dann auch bald nach England gehen.

Der Vater von Job geht morgen nach Stuttgart, und Job fährt morgen in 8 Tagen weg nach Holland, wo er auf seinen Vater wartet und hoffe ich, dass er dich spricht. Grüsse alle Bekannten und Verwandten und sei du herzl. geküsst von d. Vater.


Lieber Martin! Wir leben immer in der Hoffnung, dass bald fort kommen, aber es zeigt sich nicht und müssen abwarten, aber so vergeht eine Woche nach der andern. Dein Bildchen von eurem Wohnzimmer gefällt mir sehr gut, es scheint recht behaglich zu sein und geschmackvoll, könnten wir es bald sehen? Ich weiss nicht, ob Dir geschrieben haben, dass Tante Hans von einem Auto in Karlsruhe angefahren wurde, liegt im Krankenhaus, aber sie denkt Ende der Woche nach Hause zu kommen; die Frau hat auch alles, sonst geht es (ihr) besser mit der Galle.

Jetzt wohnen bald alle Gerauer hier. Am Samstag haben Julius Kahn´s besucht, der hat 30 Pfund abgenommen, hat sein altes Gallen- und Leberleiden, es sind viel die Zeiten schuld. Kommst (Du) mit Karl noch zusammen? Vater mischt für Rommée spielen. Euer Radio ist fein. Wir hören nichts mehr, da unseres abhanden ist. Recht herzl. Grüsse Joh. Kossmann.


Oben: Auch ich sende Heute einige Zeilen an Dich. Heute war ich bei Metzger Schott. Herr Schott und Sohn können wahrscheinlich bald nach England. Gesellschaft habe leider keine.

Herzliche Grüße sendet Deine Schwester Hede.



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