Firmenbriefkopf  Frankfurt, den 14. Januar 1939

Lieber Martin.

Wie aus deinen Briefen entnehmen, geht es dir gut und kann ich G. s. D. Gleiches von uns berichten, mit Ausnahme von Frau K(ossmann), die sich beim Umzug tüchtig erkältet hatte; geht ihr aber jetzt wieder was besser, liegt wohl noch zu Bett und zum Essen steht sie auf.

Du schriebst, dass Guthmann´s Kiste ankam. Hast du deine Schlittschuhe bekommen? Gib acht, dass du die richtigen bekommst, habe ihm 2 Paare mitgegeben, 1 P(aar) für ihn. Betr. Schiffskarten zu nehmen, teile dir mit, dass dies heute nicht mehr geht; ebenso weiss man auch nicht, was man mitnehmen darf, bis wir an die Reihe kommen, Schmuck darf man heute schon nicht mehr mitnehmen. Unsere alten Möbel, die hier haben und Wäsche, werden wohl mitnehmen können und wenn man neue kauft, so muss man den gleichen Rechnungsbetrag nochmals an die Golddiscontbank abführen.

Betr. unsres Lebensunterhaltes in D.(eutschland) brauchst du dir keine Sorgen zu machen, nur wenn mal ins Ausl.(and) kommen, England od. Belgien wird schwieriger sein. Else, Job und sein Vater gehen Mittwoch nach Stuttgart, alle übrigen kommen im März dran.

Von Max Herz finde es sehr nett, dass er euch einen so schönen Truthahn spendierte. Die gesandten Pralinees waren von mir und sandte auch ein Paket zu Weihnachten, - oder kam dies nicht an? Aber jetzt darf man keine mehr schicken.

Diese Woche erhielt einen Mahnbrief von Curt, der sich inzwischen verheiratet hat und der(den) dritte(n) Mann seiner Frau darstellt, wegen Unterstützung seiner Eltern. Ich habe ihm das Nöthige hierzu geschrieben. Er schrieb, dass er Reserven ansammeln müsste, wenn seine Eltern kämen, worauf ihm mitteilte, dass heute die Reihe an ihm sei, seine Eltern zu unterstützen und hätte seine Heirat eben noch aufschieben sollen. Er meint, wunder, was er gethan hätte, weil er Ihnen 5 Doll. geschickt hätte. Ich schrieb ihm, wo er so viel verdient, dass er seinen Eltern wöchentlich 5-10 Doll. in Havara? Mark schicken müsste und sich nicht immer auf die Hilfe anderer verlassen sollte, denn bis jetzt hätte er seine Eltern und mich nur Geld gekostet und viele Sorgen bereitet. Es liegt mir gar nichts daran, wenn er sich beleidigt fühlt, denn ich habe ihm noch so manches geschrieben, was ihm vielleicht nicht gefällt.

Schreibt er eigentlich auch als mal an dich? Ebenso Berthel, denn ich glaube, dass die beiden nur schreiben , wenn sie Wünsche haben. Ich habe ihm auch geschrieben, dass bis jetzt nur Schnor(r)briefe von ihm bekommen hätte. Am gleichen Tag erhielt auch Bf. von Hilda wegen Geld. Auch ihr habe ich´s abgeschlagen und sie an Curt verwiesen, da er ja heute genug Geld verdiene und sie unterstützen müsste. Nun genug davon!

Morgen kommen die Mainzer zu uns zum Mittag- und Abendessen, wozu wir eine Prachtgans haben.

Hede und Frau Kossmann lassen dich grüssen, ebenso Gruss und Kuss von d. Vater.



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