Firmenbriefkopf Gross-Gerau, den 4. Dez. 1938


Lieber Martin.

Wir sind jetzt schon 3 Wochen hier in Mainz bei Selma, da sie noch immer allein ist.Wir hoffen von Tag zu Tag, dass Max heim kommt und erwarten wir ihn jetzt morgn Nacht., da es hiess, als kämen die Frontkämpfer am 5ten nach Hause. Meute mittag fahre mit Frau K.(ossmann) nach Frankf. wegen einer Wohnung und will hoffen, dass wir dorten was finden und auch die polizeiliche Erlaubnis zum Zuzug bekommen, denn in GG können nicht wohnen bleiben, da ja unser Möbel fast vollständig zertrümmert ist. Wir wurden uns im FfM 2 Schlaf- und 1 Wohnzimmer einrichten und sehen, sobald wie möglich im Tran(s)sit nach Belgien zu kommen. Aber das geht alles nicht so leicht. Geld hat man dorten nicht mehr und wie lange es dauert, bis man nach U.S.A. kann, weiss man nicht und hier in D.(eutschland) bleiben kann man nicht, da die Bestimmungen gegen die Juden von Tag zu Tag schlimmer werden.

Sprich mit Max Herz, Udo und allen Verwandten, dass sie uns helfen sollen und wenn wir nach Belgien können uns eine monatl.(iche) Unterstützung für das Notwendigste geben. Die Schwestern und alle Verwandten von Frau K.(ossmann) geben sich die größte Mühe uns nach dorten zu bekommen.

Kurt habe schon gehört, als wenn in Amercia ein Lager für die Flüchtlinge aufgemacht würde, da würden gleich hineingehen, wenn es möglich wäre.

Job ist auch noch nicht zu Hause. Selma und Max gehen bis zur Auswanderung entweder nach England oder Frankreich, und bekommen ihren Lebensunterhalt auch von Verwandten aus U.S.A bestritten, (einem Vetter von Max), denn hier bleiben ist unmöglich. Ein jeder will so rasch wie möglich aus dem Golse heraus.

Die Frankfurter hoffen, im Januar fort zu können. Gina Korngold schrieb dieser Tage, dass sie Antwort von dir erwarte. Sorge auch raschestens für die Bürgschaften und schicke sie per Einschreiben an Max Levy Mainz, Albinistr. 17, da dir doch heute für uns keine Adresse angeben kann. Hede, Frau Kossmann und alle Lieben lassen dich grüssen und sei noch herzl. geküsst von deinem Vater.

Der Bruder von Frau Kaufmann (61 Jahre alt) ist auch noch nicht zu Hause..


Dear Martin,
We have stayed now for 3 weeks with Selma in Mainz, for she is still alone.  Every day we hope for the return of Max; we expect him tomorrow night; it is like the front fighters came back on the fifth. Today I go to Frankfurt with Mrs Kossmann to look for a place, hoping to find something there and also get the permission from the police to move, since we cannot stay in GG – almost all our furniture has been destroyed.  We would get 2 bedrooms and a living room in Frankfurt, and hope to get to Belgium as soon as possible.  But all this is not that simple.  We won’t have any money there and have no idea how long it would take to get to the U.S.A.  We cannot stay here in Germany as the circumstances for Jews are getting worse every day.
Speak to Max Herz, Udo and all the family that they should help us and once we are in Belgium, that they send us a monthly support for the most important things.  The sisters and other relatives of Mrs Kossmann are doing everything to get us to come over there.
Kurt heard that they built a camp for refugees in America and that’s where they would go right away.  Job is not at home yet either.  Selma and Max want to leave for England or France until they can immigrate, supported by one of their U.S.A. relatives (a cousin of Max) for it is not possible to stay here.  Everybody wants to get out of here as fast as possible. 
The people in Frankfurt hope to get away in January.  Gina Korngold wrote the other day that she was waiting for your letter.  Take care of the affidavits as soon as possible and send them registered to Max Levy Mainz, Albinistr. 17, for we currently have no other address.  Hede, Mrs Kossmann and all send their greetings and a warm kiss from your father.
Mrs Kaufmann’s brother (61 years old) is not back yet either.

Comments