Firmenbriefkopf Gross-Gerau, den 24. August 1938


Lieber Martin.

Den mir gesandten Film habe am Montag erhalten und danke ich dir sehr dafür. Heute war Onkel Salomon, Job und Else hier und habe ihnen denselben gezeigt und will sich Else einen Projectionsapparat leihen und hoffe dann die Vorführung im FfM zu sehen. Ich werde Frl. Freund sowie Frau Isaak dazu einladen. Hoffentlich klappt die Sache.

Wie du in deinem Bf. 101 schriebst, warst du mit Erich und Hilde zusammen und wirst du auch gehört haben, wie gut sie es getroffen haben. Ich würde dir den Rat geben, dich mit denselben zu halten und kannst du vielleicht durch sie bei Ihren Verwandten eingeführt werden und hättest vielleicht dadurch Chance, auch in dieses Geschäft zu kommen und dadurch vielleicht eine bessere Zukunft.

Ich kann dies ja von hier nicht beurteilen, nur meine ich, dass im Photo keine grosse Zukunft sei.

Wenn auch dies mit Gutmanns Kinder(n) nichts ist, so musst du dich doch mal umsehen und mit Max Herz oder Winters oder sonstigen Bekannten besprechen ob du nicht durch irgend eine andere Art mehr verdienen kannst, damit du uns auch mal anfordern kannst. Es liegen ja z. Z so viele Anmeldungen in Stuttgart vor, dass hierzu schon ein ganzes Jahr zur Bearbeitung nötig ist.

Ich bin der Ansicht, dass es besser ist, wenn du deine freie Zeit und deine Sonntage nicht mehr in der Hütte verbringst und mehr dazu verwendest zur Anbahnung mit Americanern , denn du musst doch jetzt weiter denken. Ich will hoffen, dass du mich verstehst und weißt, was damit sagen will.

Von Alice Kossmann wirst du jetzt auch Nachricht haben.

Wo hast du eigentlich deine Werthsachen aufgehoben? Hast du sie Max Herz zur Aufbewahrung gegeben?

Gestern ist ein grosser Ra..... hier beerdigt worden und habe dir eine Zeitung geschickt, worin dessen Nachruf stand.

Sei noch herzl. gegr.(üßt) und geküsst von deinem Vater.


Lieber Martin!

Hede ist stolz mit ihrer Puderdose, sie ist wirklich sehr schön; wir haben Hede(s) Geburtstag würdig gefeiert. Jetzt ist sie in Worms und schreibt vergnügt. Vater und meine Wenigkeit fahren Sonntag nach Bretten, bis Montag halten uns in H(eidelberg) auf, wollen mal sehen, was es Neues giebt; ich bringe Gelee mit, denn Tante hat einen grossen Haushalt; wir haben immer Besuch, ist die schönste Ablenkung. Man könnte bald neidig sein für (auf) die Leute, die weg sind; eine Freude hatten wir doch diese Woche; lese den Zeitungsbericht!

Nächstens mehr herzl. Grüsse. Joh. Kossmann

Kaufmanns lassen grüssen und sitzen bei uns.


Dear Martin,

I received the film you had sent on Monday; thank you very much.  Today Uncle Salomon, Job and Else were here and I showed it to them; Else wants to borrow a projector and then I hope to see the show in Frankfurt.  I will also invite Miss Freund and Mrs Isaak to watch it.  Hopefully it will work.

As you wrote in your letter No 101, you had met Erich and Hilde and heard how well they were doing.  I would advise you stay around them and so maybe they can introduce you to their relatives, so that you can get a chance to have a foot in on this business and so a better future.
I cannot judge it from here, but I believe there is no great future in photo.
If the Gutmann children cannot help then you must look around and talk to Max Herz or Winters or other people whether they can help you in some way or other to earn more so that you can support us.  There are now so many applications in Stuttgart that it would take a whole year to get it done.
In my opinion, you better not spend your weekends and all your free time now in the cottage but rather on learning American, for you must think ahead now.  I hope you get what I am saying here.
Alice Kossmann will contact you as well.
Where do you keep your valuables?  Did you give them to Max Herz to keep them safe?  Yesterday we had the funeral of a great Ra… and I sent you the paper with his obituary.
Warm greetings and kisses from your Father.

Dear Martin,

Hede is very proud of her beautiful powder compact; she had a wonderful birthday party.  Now she is in Worms and sounds very happy.  Father and I go to Bretten on Sunday; until Monday we will be in Heidelberg; we want to see what’s new. I’ll bring jelly as Aunt’s household is so big, we always have visitors, that’s the best diversion.  One could easily become jealous of the people who are gone; but we had fun this week – read the article in the paper!   Next time more… Warm greetings, Joh. Kossmann.

The Kaufmanns send their greetings too; they are sitting with us now.

Comments