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Firmenbriefkopf

Gross-Gerau, den 20. August 1938


Lieber Martin

Hoffentlich geht es dir gut und bist gesund, was G.s. D. bei uns auch der Fall ist. Mit deinem letzten Bf. habe habe mich sehr gefreut, da ich daraus ersah, dass du eine Aufbesserung bekamst und wünsche dir, dass die nächste bald nachkommt; aber ein gutes Ding muss Weile haben! Wenn du glaubst, dich dorten weiter verbessern zu können, ist es doch sebstverständlich, dass du dorten bleiben sollst und dich befleißigen sollst, dass du auch weiter die Gunst deines oder deiner Chefs erlangst. Du hast mir bis heute noch sehr wenig über dein Geschäft und deine Tätigkeit geschrieben. Du weißt doch, dass mich dies sehr interessiert.

Trotzdem hätte ich gerne, dass du dich mehr mit Max Herz, seinen Söhnen und der ganzen Mischpoche über deine fernere Zukunft unterhältst; vielleicht weiß der eine oder der andere eine bessere Aussicht für dich. Auf keinen Fall sollst du deinen Job verfrüht aufgeben! Dies ist eine Sache, die du am Besten selbst wissen (wirst). Ich bin ja schon zufrieden, dass du Arbeit hast.

Betreff unserer Auswanderung brauchen wir vor einem Jahr nicht daran zu denken, soviel Voranmeldungen liegen in Stuttgart vor; sobald eine Nummer haben, lasse dich´s wissen.

Dieser Tage hörte bei Mann´s hier, ein Schwager von Siegfr.(ied) Kahn, dass Norbert bis jetzt 27 Bürgschaften gestellt hat und noch eine grosse Zahl zu stellen hat, die er auch noch stellt.

Gestern war in Mainz bei Kramer betreff Keil Jugenheim; in dieser Sache scheint es jetzt auch eine Wendung zu geben. Seither wurde der Frau Keil aus Hamburg vom Gericht stetz(s) Vollstreckungsschutz gewährt; diese Woche hat sie durch ihren Rechtsanwalt Mk 2000 geboten, worauf (ich) ihr als Gegenvorschlag Mk 3000 verlangte. 4000 ist ungefähr meine Forderung. Der Prozess dauerte jetzt schon 4 Jahre und möchte ich auch mal davon. Hoffentlich komme zu einem Ziel.

Die Mainzer Levi´s sind gesund und gehen über Feiertage nach Baden-Baden. Salli weiss jetzt von dem Tode seiner Mutter und kannst du ihm jetzt auch kondolieren.

Salomon war letzte Woche nicht wohl und habe ich ihm am Samstag besucht, konnte gestern wieder aufstehen und geht es ihm jetzt wieder besser; dies sind eben Alterserscheinungen.

Am Sonntag war Gustav und Lori sowie Clara und Moritz Mainzer hier auf dem Friedhof. Tranken Kaffee mit uns und assen auch hier zur Nacht. Gustav war 5 Jahre nicht hier.

Sei für heute herzl. geküsst von deinem Vater.

Warum kommst due eigentlich mit Karl Kahn nicht mehr zusammen?


Lieber Martin! Die Freude war bei uns gross, als Du von der Aufbesserungsnachricht schriebst, mach so weiter, dann sind bald vielleicht alle zusammen, dann können eine Pension aufmachen. Lori würde sich gerne mit mir beteiligen; sie hoffen jetzt bald nach Stuttgart zu kommen. Ich danke für den gesandten Catalog und interessiert uns sehr; denke Vater musste 2,75 M. Zoll zahlen, da es ein Preisverzeichnis ist.

Hede und ich dürften nicht nach F.(rankfurt) Onkel (Salomon) besuchen, aber es waren ungefähr 25 Personen (linker und rechter Rand) am Samstag bei ihm; es war der höhere Befehl von Else; Hede sagte abends zu Vater: Verwandten unerwünscht! Habt Ihr Eure neue Wohnung und ist sie nett?

Tante Hilda ist nach Hause, es hat Tränen gegeben......... 1 Satz fehlt ich hatte.... fast recht gut. herzl. Grüsse Joh. Kossmann.
Dear Martin,

Hopefully you are doing well and are healthy, which I can report, thank God, about us as well.  I was very happy to learn from your last letter that you got a raise and wish you to get the next one soon, but you know, good things must take time.  If you think you can progress there, then of course, you should stay there, and work diligently, so you please your bosses.  You so far have not said much about your tasks there.  You know though how much that interests me.
Even so, I would like you to chat with Max Herz, his sons and the whole Mischpoche more about your future, perhaps one or the other knows about a better option for you.  of course, you should not give up your current job too early.  You know best what to do.  I am glad that you have a job.
About our immigration we cannot even begin to think for a whole year, there are so many before us in Stuttgart; As soon as we have a number, I’ll let you know.
I’ve heard it from Mann, a brother-in-law of Siegfried Kahn that Norbert has already sent 27 affidavits, and will send another larger number  of them.
Yesterday I went to see Kramer about Keil Jugenheim in Mainz; there seems to be a change in this matter.  Frau Keil received enforcement protection from a Hamburg court; this week she offered 2000 Marks through her lawyer; my counteroffer was 3000; in fact she owes me about 4000.  This process has already taken 4 years and I am fed up with it.  Hopefully we can reach a conclusion.
Levi’s in Mainz are healthy and go to Baden-Baden for the High Holidays.  Salli knows about the passing of his mother and so you can send your condolences
Salomon did not feel well last week; I visited him on Saturday; yesterday he could get up again and now he feels better… old age issues.
Sunday Gustav, Lori, Clara and Moritz Mainzer came to visit the cemetery here. We had coffee and dinner with them.  We have not seen Gustav for 5 years.
Warm kisses from your Father.  Why don’t you see Karl Kahn anymore?

Dear Martin,
We were very happy about your salary raise; keep on going then we’ll soon be all together and open up a bed and breakfast.  Lori would like to partner with me; they hope they soon come to Stuttgart. Thanks for the catalogue, very interesting.  Father had to pay 2.75 marks customs for it, because it is a price list.  Hede and I were not allowed to visit Unkle Salomon in Frankfurt, but there were about 25 people there on Saturday left and right side ; the restriction came from Else; Hede said to Father: no relatives allowed!  Have you got your new place, and is it nice?
Aunt Hilda went home, there were tears… 1 sentence is missing …I had…almost quite well…
Warm greetings Joh. Kossmann

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