Firmenbriefkopf überstempelt mit „Emil Marx“ Gross-Gerau, den 17. August 1938


Lieber Martin.

Ein dies-wöchentlicher Bf. ist noch nicht eingetroffen, aber ich will dich doch nicht auf Nachricht von uns warten lassen. Gestern war ich in Mainz und geht es ihnen gesundheitlich gut. Sie haben sich in Stuttgart vormerken lassen und erhielten die Nr. 8896. Wie du hieraus siehst, liegen dorten sehr viele Anmeldungen vor und dürfte Frühjahr werden, bis sie mal an die Reihe kommen. Von ihren Kindern haben sie sehr gute Nachricht. Max hat Ihnen eine Zeitung in Buchform geschickt, worin viele Geschäfte und führende Persönlichkeiten von dem Platze, wo sie jetzt wohnen, abgebildet sind (eine Vorstadt von Louisville). Auch das Gesellschaftslocal von Max ist abgebildet und macht einen guten Eindruck; er sieh sehr gut darinnen aus.

Auch Ernst schrieb, dass er mit seinem Gehalt nicht mehr zufrieden sei (17D.) und will sich auch selbständig machen. Seine beiden Onkels wollen ihm je 500 Doll. beisteuern und denkt er, mit seinen Ersparnissen ein Geschäft anfangen zu können. Vielleicht kannst du dich mit ihm assoziieren; was denkst du dazu? Oder sprich mal mit Onkel Max, was er davon hält oder ob er dich zum Anfang mit etwas Geld unterstützen kann und du in Chicago irgend ein Geschäft aufmachen kannst; denn mit deinem Verdienst ist doch nicht daran zu denken, dass du uns mal anfordern kannst.

Ernst hatte doch die Absicht, nach Chicago zu kommen, hat aber diesen Plan deshalb wieder aufgegeben, da er jeden Cent zum Anfangen gebraucht.

Du frugst in deinem letzten Bf. wegen den Brettener; die sind in den oberen Stock gezogen, wo sie bis 1. Januar noch unentgeld(t)lich wohnen können. Ich habe die Absicht, sie und die Heidelberger am Samstag in 8 Tagen zu besuchen und werde dir dann Näheres berichten. Heute hat Goldberger Silberhochzeit und will ich jetzt hin gehen zum Gratulieren. Sei für heute noch recht herzl. geküsst v. d. Vater.

Hede und Tante (Hilda) grüssen dich ebenfalls.


Lieber Martin!

Wenn man daran denkt, dass alles weggeht, ist es für uns zum verzweifeln und überall (wird) gespart, so auch für uns nach Belgien oder man muss ein Vermögen mit bestimmter Zahl haben, auch heute schreibt Sigmund Buenes Aires muß gespart (werden); ist das nicht furchtbar?

Montag fährt Hede einige Tage nach Worms, hier hat keinen Menschen mehr; es tut mir immer leid, dass Vater nicht kommen konnte. Von hier ist nichts zu berichten: ein Tag wie der andere - sind auch so zufrieden.

Hast Du die Guttmanns Kinder gesprochen? - sie haben es nach Hause berichtet, haben alles erzählt. Tante Hans hatte wieder einen Anfall, die arme Frau sorgt sich so um Albert.


Briefkopf: da alles so lange dauert, jetzt ist Meta und die Kinder dort; jeder ist ungehalten dass Stuttgart alles in die Länge zieht. Für heute herzl. Grüsse von Joh. Kossmann.

Dear Martin,

We have not got your letter of this week yet, but I don’t want you to have to wait for our news.  Yesterday I was in Mainz; they are doing well as far as their health is concerned.  They reported to Stuttgart and received the number 8896.  As you can see from this, there are many requests there, and it could take until spring until it would be their turn.  They have very good news from their children. Max sent them a magazine in the form of a book with many businesses and prominent people in it from the place where they now live (close to Louisville).  Max’s society place is included and it makes a good impression, and he looks great in there.  Ernst wrote as well that he was no longer content with his pay, (17dollars) and wanted to become independent.   His two Uncles want to give him 500 doll. Each and he thinks, with his savings he could start a business.  Perhaps you could become his associate.  What do you think?  Or speak to Uncle Max what he thinks about it, or if he could give you some money to support you so that you too could open a business in Chicago, for with your salary you could not possibly support us.
Ernst had originally planned to go to Chicago, but he gave up on it as he needs every cent at the start.
You had asked about the people in Bretten in your last letter.  They moved to the top floor where they could stay until Jan 1 for free.  I plan to visit them and those in Heidelberg for eight days on Saturday and then I can tell you more. Goldberger celebrates his Silver Wedding Anniversary today and I want to go see him to congratulate.  Warm kisses to you from your Father.
Hede and Aunt Hilda send their greetings as well.

Dear Martin,
It is terrible when I have to think about that everybody is leaving and all have to save money, so we, in Belgium, too, or you have to be very rich;, even Sigmund in Buenos Aires has to save; isn’t this terrible, or what?
Hede goes to Worms for a few days on Monday, there is nobody left here. It’s a pity that Father could not come; There is no news here; one day like the other – we must accept it.
Have you spoken with the Guttmann children?  They reported back home and told everything.  Aunt Hans had a nervous breakdown again; she is so worried about Albert.

Letterhead: because everything takes forever, now Meta and the children are there; everybody is so upset about Stuttgart taking so long.  Warm greetings from Joh. Kossmann.

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