Firmenbriefkopf Gross-Gerau, den 13. August 1938

Lieber Martin

Obgleich dir vor 3 Tagen schrieb, muss dir heute, die Mitteilung machen, dass gerne hätte, dass Hede einstweilen nach America ginge, denn wen ihr beide mal drüben seid und Geld verdient, könnt ihr mich dann eher anfordern. Denn für Hede ist hier keine Zukunft. Vielleicht kann sie in einem Haushalt unterkommen. Wenn jetzt ihre Bürgschaft kommt, dauert es doch immer noch ein halbes Jahr, bis sie fort kann, denn der Andrang in Stuttgart ist zu groß. Hast du Guttmann´s Kinder schon gesprochen?

Wie durch ihren Vater höhrte, haben sie beide gleich Arbeit gefunden bei ihren Bürgen. Erich ist in dessen Fabrik tätig und bekommt 16 Doll. und Hilda im Büro; sie schrieben sehr zufrieden.

Schreibe mir deine Ansicht über Hede, da du doch mal sich (dich) ihrer annehmen musst, da ich heute 65 Jahre bei und man nicht weiß, wie lange (ich) noch für euch sorgen kann; was noch in meiner Macht steht, will ich noch gerne thun. Da Hede noch einige Worte an dich schreiben will, schliesse ich mit den besten Grüssen und Kuss dein Vater.


Lieber Martin!

Heute Mittag hat sich Vater mit Tante Hilda unterhalten und zu dem Entschluß gekommen, über meine Zukunft sofort an Dich zu schreiben Was meinst Du dazu? Am liebsten würde ich, wenn es soweit, ist in (eine) Familie gehen. Gestern haben Guthmanns gepackt. Ich sehe selbst ein, daß ich täglich älter werde und Vater nicht immer bei uns bleiben kann. Ich werde (mir) jetzt fest f(v)ornehmen, kochen zu lernen. Grüß mir bitte Familie Herz und alle Bekandte dort. Gib uns bitte bald Nachricht auf diesen Brief.

Sei Du, lieber Martin, für heute recht herzlichst gegrüßt von Deiner Schwester Hede.



Dear Martin,
Even though I have just written to you 3 days ago, I have to tell you something today: namely, that I would like Hede to go first to America, because once both of you are over there and can earn some money, it would be much easier for you two to afford my stay. There is no future here for Hede.  Perhaps she could work as a housekeeper.  Even if her affidavit arrived today, it could take a half a year until she could leave as there are so many requests in Stuttgart.  Have you spoken to Guttmann’s children?
As I heard from their father, both got a job right away at their sponsors. Erich works in his factory and makes 16 dollars per hour; Hilda works in the office; both sounded quite happy.
Let me know what you think about Hede, as you will have to take care of her; I am 65 years old and one never knows how long I can take care of the two of you; whatever I can, I will do.  As Hede would like to add a few words here, I close my letter now with my best wishes and kisses, your Father.

Dear Martin,
Today father spoke with Aunt Hilda and decided to write to you about my future right away.  What do you think?  I would like to go to a family if possible.  Guthmanns packed their things yesterday.  I see that I become older every day and father will not be with us forever.  My plan is to learn to cook now.  Give my greetings to the Herz family and everybody else there.  Please let us know what you think about this letter.
Warmest greetings to you, dear Martin, from your sister Hede.

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