Firmenbriefkopf Nr. 94 Gross-Gerau, den 14. Juni 1938


Lieber Martin.

Nach einem vortrefflichen Nachtessen (Butterbrot mit Erdbeeren) will jetzt noch einige Zeilen an dich schreiben. Du schriebst in deinem letzten Brief, ich sollte dir was Möbel schicken; dies ist heute eine Sache, die man Niemanden zumuten kann.

Am Samstag waren in Frankfurt und warten diese jetzt auf ihre Papiere. Bei uns hier vergeht ein Tag wie der andere mit Nichtstun und spazieren gehen; nur Donnerstags gehe nach Darmst(adt) und Arheiligen. Heute war Siegmund Westerfeld von Stockstadt hier und hofft bis zum Herbst nach Chicago zu gehen mit Frau und Mutter; seine zweite Tochter ist vor ungefähr 4 Monaten auch nach Chicago.

Bach Crumstadt packen morgen und fahren nächste Woche.

Von Frieda Cahn hörte, dass du mit Karl und mit Aug. Hirschs gar nicht mehr zusammen kämst, höchstens mal teleph.(onisch) anrufen würdest; warum dies? Ich denke, es könnte doch nur von Vorteil für dich sein, wenn du mehr Freundschaft halten würdest. Salomon Feitler hat jetzt sein Haus in der Wolfgangstraße verkauft für 49 ½ Mille und will zu seinem Sohn nach Lion; der hat, glaub ich eine Heissmangel und soll sehr gut gehen. Wenn du von Berthel was gehört hast, gib mir gleich Nachricht und schreibe Curt auch gleich deine neue Adresse, damit Berthels Grüsse auch ankommen. Für heute noch einen herzhaften Kuss von deinem Vater.

Grüsse von F. Kossmann, Hede und Familie Kaufmann



Dear Martin,

After a great dinner (bread and butter with strawberries) I want to write to you a few lines. In your last letter you asked me to send you some furniture; these days it is a request that nobody can expect to be fulfilled.  Saturday we were in Frankfurt; they are waiting for their papers.  Our days pass one after the other, with doing nothing and taking walks;  Only Thursdays I go to Darmstadt and to Arheiligen. Siegmund Westerfield was here today from Stockstadt; he hopes to go to Chicago with his wife and mother by fall; his second daughter left for Chicago about four months ago.
Bach Crumstadt are packing tomorrow and leave next week.
I heard from Frieda Cahn that you no longer see Karl and August Hirsch at all; at most you call them on the phone; Why is this?  I think it would benefit you if you were friendlier with them;  Salomon Feitler sold his house in the Wolfgangstrasse for 49.5k and wants to move to his son to Lyon; I believe he has an ironing business that is going well.  If you hear from Berthel, let me know right away, and send your new address to Curt as well, so he can receive Berthel’s greetings.  Warm kisses from your Father.
Greetings from Mrs. Kossmann, hede and the Kaufmann’s. 

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