Firmenbriefkopf Nr. 85 Groß-Gerau 3. April 1938

Lieber Martin.

Seit deinem Bf. vom 6. März, der am 17. März eintraf, sind bereits 17 Tage vergangen, ohne dass Nachricht von dir zu erhalten. Was ist der Grund? Warst du krank? Oder was war sonst los? Du kannst dir doch denken, dass ich mich aufrege, wenn man von Tag zu Tag auf Brief wartet und es kommt nichts. Ich will hoffen, dass du gesund bist und du noch Arbeit hast; sollte letzteres jedoch nicht der Fall sein, so hast du doch auch noch zum Leben und es wird schon wieder was anderes geben. Nur den Mut nicht verlieren!

Ich weiss nicht, ob (ich) dir schon schrieb, dass Jacob, Sophie und Margoth auch nach U.S.A. auswandern wollen. Jedenfalls hat ihnen William die Bürgschaft gestellt. Für alle drei habe (mir) ihr Leumundszeugnis geben lassen. Vielleicht hat er dort mehr Glück, denn bis jetzt hat er nur Pech gehabt.

Am letzten Sonntag waren wir in Frankf(urt) und sind sie sehr schön eingerichtet. Heute Mittag gehen nach Mainz zu Tante Selma.

Für Heini Hirsch ist die Bürgschaft auch in Stuttgart und wird er baldigst bestellt werden. Hoffentlich kann er bald fort, (und) seine Familie bald zu sich kommen lassen.; denn hier geht es ihnen sehr sehr schlecht.

Am 7. April wird Berthel getraut und die darauf folgende Woche kommen sie alle zu uns über Ostern.

Am letzten Dienstag sind Kauffmanns bei uns eingezogen und wohne sehr schön. Ich habe alles neu machen lassen. Es ist für uns auch ganz angenehm, man hat doch jemand zur Unterstützung und zum Spielen.

In Erwartung, recht bald und regelmässig Nachricht von dir zu erhalten, küsst dich herzl. d. Vater.

Du schreibst gar nichts mehr von Max Herz und Winter´s, kommst du nicht mehr hin?


Lieber Martin! Wir sind alle etwas aufgeregt, dass von Dir keine Nachricht haben, dies ist noch die einzige Verbindung mit Dir und da hast zu sorgen, wenn auch mal ein Sonntag geopfert wird, an Deinen Vater zu schreiben. Kannst mir glauben, dass es mit den Goles nicht schön ist, und die Freude an allem ist uns untersagt. Vater und ich sind so abgespannt von allem und die Arbeit habe mehr denn je; Hede war 8 Tage in FfM und jetzt zu Ostern das Haus voll mit Besuch, aber ich hoffe, dass, wenn man kann, wenn das Wetter gut ist, (wir) alle 14 Tage irgend wohin gehen, denn linker Rand von hier will Vater vorerst nicht weg; es ist nicht schön hier. Sigmund freute sich sehr mit..????...... Herzl. Grüsse Joh. Kossmann



Dear Martin,
Since we received your letter of March 6, that had arrived March 17, 17 days have passed without any further news from you.  Why is that?  Have you been sick?  Or has anything else happened? You can imagine though how it upsets me when every day I am expecting a letter and nothing comes.  I very much hope that you are healthy and employed; but if the latter is not the case, you have got enough to live on, and you’ll find something better.  Don’t worry! 
Not sure if I had told you that Jacob, Sophie and Margoth too, want to emigrate to the U.S.A.  Either way, they received an affidavit from William.  For all three I gave a character statement.  Hopefully they have better luck over there, because here they only have trouble. Last Sunday we went to Frankfurt and they are doing very well. Today we’ll visit Aunt Selma in Mainz. 
Heini Hirsch, too, has his affidavit submitted in Stuttgart and soon he will get an appointment there.  Hopefully he will get away soon so that he can have his family come after him; their lives here are very bad.
Berthel will get married April 7 and during the weeks thereafter they come to visit us for Easter.
Last Tuesday the Kauffmann’s moved in and live very nicely here.  I had renovated everything. It is also quite pleasant for us, we have some support, and can also play cards. Hoping that I soon get news regularly from you, warm kisses from your Father.  You do not write at all about Max Herz and the Winter’s.  Do you see them at all?

Dear Martin,
We were all somewhat upset about not getting any news from you; this is our only connection of ours to you, and it is really not such a big deal when you have to sacrifice a Sunday to write to your father.  You can believe me that the anxiety is no fun, and we all were very unhappy. Both Father and I are so stressed by it all, and have to work harder than ever before; Hede went to Frankfurt for 8 days, and the house is full of visitors; yet I hope that, if the weather is good, we can get away every two weeks somewhere, left margin as Father does not want to move yet.  It is not great here.  Sigmund was very happy about ????  Warm greetings from Joh. Kossmann.

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