Firmenbriefkopf Nr. 83 Gross-Gerau, den 18. 3. 1938


Lieber Martin

Deinen Bf. Nr. 83 empfing gestern und entnahm deine Reise nach M(ilwaukee); ich kann mir eure beiderseitige Freude vorstellen, ebenso von der ganzen Kahn Mischpoche, ich glaube schon, dass die sich drüben durchbringen.

Mit der Futtergeschichte tue nur langsam. Was meint Salli dazu? Bei uns gibt es wenig Neues.

Diese Woche kam der grosse Kassenschrank aus dem Büro. Ich habe ihn an Ph. Petermann Hier (Hassia Käserei) für Mk 400 verkauft und bin froh, dass er fort ist, denn für einen solchen schweren Schrank findet man so leicht keinen Liebhaber. Herr Petermann schickte seinen Buchhalter her zum Einsehen. Als er ins Zimmer kam und sah dein Bild, sagte er sofort: den jungen Mann kenne ich; mit dem war ich in Jungholz zusammen. Ich soll dich von ihm grüssen. Ich soll nur schreiben von dem Herr, der mit seinen zwei Jungen dort war, mit denen du immer gespielt hättest Du hast ihn auch mal in Darmstadt besucht; er wohnt in der Mackensenstrasse, ich glaube er heisst „Sefrin“.


Heute bekam Ruth ihr Abgangszeugnis(s), und (es) ist sehr gut ausgefallen; du kannst ihr gratulieren; scheibe ihr nach Beethovenstr. 8, da sie am kommenden Dienstag den 21. (März) ziehen. Nächste Woche kommen Schreiner und Weissbinder ins Büro und glaube ich, dass es eine recht nette Wohnung für die 2 Leute gibt. Vorn vom Eck nach der Uhr kommt eine Wand wie die hintere mit Schiebetür, so dass vorn die Küche in der Mitte das Wohnzimmer und nach der Strasse das Schlafzimmer kommt. Bis zum 29. März wollen sie einziehen. Grüsse Alle von mir und sei du noch recht herzl. geküsst von deinem Vater.

Hede und Frau Kossmann lassen dich grüssen.

Für Heute Abend habe (ich) sie drüben alle (weiter im Briefkopf) zum Abschied nochmals zum Abendessen eingeladen.


Dear Martin,
We received your letter No 83 yesterday, and learned from it that you traveled to Milwaukee; I can imagine your mutual happiness, also that of the whole Kahn mischpoche, I believe they will do well over there.
Go slowly with the feed business.  What does Salli think about it?  We have not got much news. This week we brought the large safe from the office.  I sold it to Ph. Petermann (Hassia Käserei) for 400 Marks, and I am glad it is gone, because it was pretty hard to find a buyer for such a heavy piece. Mr Petermann sent his bookkeeper to look at it.  When he entered the living room and saw your picture he said right away: I know that young man; I was with him to Jungholz. He sends his greetings.  I should mention to you the gentleman with his two children who were there, too, and you used to play with them.  You also visited him in Darmstadt; he lives in the Mackensenstrasse; I believe his name is Sefrin.

Ruth received her leaving papers today and it all worked out well.  You can congratulate her to that. Write to her to Beethovenstrasse 8, because they are moving there next Tuesday, March 21.
Next week we have the carpenter and the painter in the office and I think it will turn out to be a nice place for 2 persons. From the corner there will come a wall with a sliding door so that the kitchen is up front, the living room in the middle and the bedroom will have windows to the street.  They want to move in by March 29.  Greetings to all and warm kisses to you from your Father.  
Hede and Mrs Kossmann send their greetings. I have invited them all (continues in the letterhead) from the office to a farewell dinner for tonight.

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