around January 29, 1938




Firmenbriefkopf Gross-Gerau, den 29. Januar 1938


Lieber Martin!

Das war für uns eine grosse Enttäuschung, dass Vater dich vorerst nicht besuchen kann und tut es mir für Euch beide leid, man machte schon Pläne, wie wo und was und alles ist ins Wasser gefallen. Hoffen wir weiter. Ich hoffe und wünsche, dass wir dadurch bald den anderen nach F.(rankurt) folgen können und hoffe, dass unser Haus im Lauf des Sommers vermietet wird, meine Idee, denn jetzt ist das Geschäft mit Kahns perfekt, gehen diesen Monat weg. Und haben heute in der Lersnerstrasse gemietet. Julius ist noch broches, aber ich komme mit Frieda zusammen und bin schon eingeladen in F.(rankfurt) zu übernachten und Donnerstag sind wir Damen zum Geburtstagskaffee dort eingeladen, diesmal der letzte hier. Ich hoffe, dass vor ihrer Abreise nach F. Julius sich noch besinnt. Herman Flörsheimer hilft als den 4. Mann spielen.

Du scheinst gar nicht mehr zu Hirschs zu gehen, hast so wenig Zeit? Das ist ja fein, dass Walter Sommerfeld in Ch(icago) ist, die Gerauer Kolonie wird immer grösser.

Wenn Du irgend was benötigst, das Berthel mitbringen soll, Wäsche, dann schreibe zeitig!

Wir waren gemütlich zusammen; (Frieda) hatte Geburtstag und backte Käsekuchen , war fein.

Ich hoffe, sie kommt nochmals hier her; jetzt sicher, da Vater nicht zu Dir kann. Ich habe den Vorschlag gemacht, 14 Tage zusammen irgendwohin zu gehen; denn eine Ausspannung tut uns von hier aus allen sehr nötig.

Diese Woche hatten grossen Sturm, so dass man gar nicht fortgehen konnte. So sitzen zu Hause und treiben Langeweile. Wir spielen ein neues Rommeé und Mauscheln ist eben ad acta gelegt. Es hört ja alles bald auf. Also, wenn du mal umziehst, komme ich , glaube es wäre nötig, deine Sachen nachzusehen. Wer flickt und stopft Dir?

Vergesse die Sache Hermann Marx nicht! Recht herzl. Grüsse Johanna Kossmann.



Dear Martin,
What a great disappointment that Father cannot go visit you; I am so sorry for both of you; we were already planning the how and what and now it is all for nothing.  Let’s hope again.  I hope and wish that we can follow the others to Frankfurt soon and that our house will be rented by the summer, which is my idea.  The business with the Kahns is now perfect, they leave this month.  They are renting in the Lersner Street as of today. Julius is still upset, but I get together with Frieda and was already invited for a sleepover to Frankfurt; Thursday we, the ladies are invited there for a birthday coffee, the last one. Hope before their move to Frankfurt Julius comes to his senses. Herman Flörsheimer is the 4th mann in the game.
You do not seem to ever visit the Hirsch‘; do you have no time for that?  It is great though that Walter Sommerfeld is now in Chicago, the Gerau Colony is growing.  If you need anything like underwear for Berthel to take with her, just let us know in time.
We had a great time together. Frieda had birthday and baked a cheesecake which was fine.
Hope she can visit us once more here; now even more so since Father cannot visit you. I suggested we all go somewhere for 14 days as we all badly need a change of scenery.
This week we had a huge storm so we could not go anywhere. So we just sit at home and are bored. We play a new Rummy and stopped to mauscheln [speak Jiddish]. All will soon come to an end. So, when you change I must come and mend your things – I think you would need that.  Who is doing that for you now?
Don’t forget the issue with Hermann Marx! Warm greetings from Johanna Kossmann.

credit: bg
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