Nr. 69

Firmenbriefkopf, Gross-Gerau, den 9. Nov. 1937


Lieber Martin

Vor 8 Tagen erhielten eine Karte von dir und für diese Woche sind noch ohne Nachricht von dir; hoffe aber doch, dass morgen oder übermorgen Post von dir eintrifft.

Am Freitag Abend trafen Kahn´s in Hamburg und Sonntag Morgen um 10 ½ Uhr in Gr.G(erau) ein ! Um 11 ½ liessen sie uns rufen und hat mir Frieda gleiche deinen Kuss übermittelt, wofür dir herzl. danke. Sie sind , wie man sich denken konnte, sehr begeistert von Amerika und werden nicht fertig zu erzählen. Am Sonntag und Montag hatten sie soviel Besuch, dass (ich) sie noch nicht ausführlich sprechen konnte.

Julius sagte mir, dass du am verkehrten Ende sparst und morgens keinen Kaffee trinkst und nichts isst; dass sollst du aber nicht thun. In Amerika muss man doch anstrengend arbeiten, mithin auch richtig essen. Ich will hoffen, dass du dies für die Zukunft thust. Leop. K.(ahn)ziehen am Montag nach Frankf. und Julius bleibt noch bis Januar hier. Heute bekam Hilda Nachricht von Curt, dass er jetzt 17 D(ollar) bekommt. Diese Woche bekam ein wunderschönes Silbernes Kaffee-Service, aus einer Fabrik in Heilbronn, was mir Irma noch vor ihrer Abreise bestellt hat und ich dadurch vieles Geld gespart habe. Es ist ein Zierstück fürs ganze Zimmer. Hede ist noch in Bretten und hoffe, sie bis Sonntag zurück. Lass uns nicht wieder solange auf Bf. warten und sei für heute noch herzl. geküsst von deinem Vater.


Lieber Martin! Die Freude als (wir) Kahns sahen, kannst du von uns aus Dir denken. Beide sehen gut aus und erzählen viel obwohl sie erst kurz gesprochen habe, da zu viel Besuch dort war und täglich noch haben. Wir haben zum Empfang eine Torte gebacken und Hede schickte als Willkommen eine Karte. Neues ist von hier nicht zu berichten. Gestern war ich mit Tante Hilda in Darmstadt und sah, dass Zigarren - Joseph in anderen Händen ist; der junge Joseph ist nach U.S.A.. Wie geht es im Geschäft? Hoffentlich hast Du auch bald Aufbesserung oder ist es momentan zu mau? Ist Karl jetzt angekommen? - so sind die Nachbarskinder öfter zusammen und verbringen frohe Stunden.

Aber vor allen Dingen sorge, dass Du besser aussiehst; spare nicht am verkehrten Platze. Unser Prunkstück ist fein; das Buffet sieht nobel aus. Frieda hat es gut gefallen haben auch Lust daran. Nächsten Monat fahren Rudolf Kahns weg; leid tut es uns, wenn das Kaufhaus fort ist. Wir mauscheln eben oft und amusieren uns dabei! Hoffentlich haben bald Nachricht von Dir.

Von Sigmund und Rosel soll ich Dich herzl. grüssen; es war gemütlich dort.

Alles Gute und herzl. Grüsse Johanna Kossmann.


Im Briefkopf Herzlichen Gruß und Kuß von Tante Hilda


Gross-Gerau, No. 69, November 9, 1937

Dear Martin,

It was 8 days ago that we got your card and since then no news from you; hopefully tomorrow or after that we get some mail from you.
The Kahns arrived in Hamburg Friday evening and Sunday morning at 10:30 they were in Gr. Gerau and at 11:30 they already had us called so Frieda could convey your kiss right away; much appreciated.
As expected, they are very enthusiastic about America and cannot stop talking about it.  Sunday and Monday they had so many visitors that I could not even talk with them yet.  Though Julius told me that you are trying to save money the wrong way in that you drink no coffee and eat no breakfast in the morning. You should not do that!  One has to work hard in America and so one must eat well also. Hope in the future you will heed this.
Leopold Kahn’s family is moving to Frankfurt on Monday, with Julius staying here until January. Hilda heard today that Curt gets 17 dollars now. This week I received a fabulous silver coffee service from a factory in Heilbronn, which was ordered by Irma before her trip and so I saved a lot of money with it. It is a true gem for the living room. Hede is still in Bretten but hope she returns by Sunday. Don’t let us wait so long for your letter again.  Warm kisses from your Father.

Dear Martin,

You can imagine how much we enjoyed seeing the Kahns. Both look great and tell a lot of stories although we could only speak a little as they have lots of visitors every day. We made them a welcome cake and Hede sent them a card. We have no other news from here. Yesterday I went to Darmstadt with Aunt Hilda and saw that the Joseph cigar shop now has a different owner – the Joseph boy went to the U.S.A. How is your job going?Hopefully you’ll soon get a raise or is that not possible now? Has Karl arrived? So that the neighbor children can meet more often and spend some time together.
But most importantly, make sure you look better; do not try to save on the wrong ends.  Our precious piece of coffee service looks very noble in the cupboard. Frieda loved it and we enjoy it very much as well. Rudolf Kahn’s family is leaving next month. We will very much miss the store. We have been gossiping a lot and enjoyed it so much. Hopefully we are getting news from you soon. Sigmund and Rosel send their love. It was so nice at their house.
All the best and warm greetings Johanna Kossmann.

In the letterhead: warm greetings and kisses from Aunt Hilda
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